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Neuss: Ziel: Vom Stadtrat in den Landtag

Neuss : Ziel: Vom Stadtrat in den Landtag

Reiner Breuer kandidiert zum ersten Mal für die SPD im Landtag. Die Kandidatur kam für ihn recht überraschend. Er hatte damit gerechnet, dass Fritz Behrens nochmals antritt. "Sozialer Arbeitsmarkt", "Mobilität", "Bildung und Jugend" sind nur drei Themen, mit denen er die Wähler für sich und seine Partei gewinnen möchte.

Wahlkampf machen ist ihm nicht unbekannt: 2009 forderte Reiner Breuer bei der Kommunalwahl Langzeit-Bürgermeister Herbert Napp heraus und errang 33 Prozent, was nicht reichte, um den Gegner von seinem Sessel zu schubsen. Nun trifft er wieder auf einen starken Gegner — und wieder will Breuer sich nicht mit halben Sachen zufrieden geben und übt sich schon gar nicht in Bescheidenheit. Warum auch? Von den drei SPD-Kandidaten der Wahlkreise im Rhein-Kreis erhielt der Neusser mit Abstand die meisten Stimmen bei der Delegiertenkonferenz, die ihn erst zum Kandidaten machte, nämlich 124 von 137 abgegebenen Stimmen. Auf der Liste besetzt der Jurist Platz 20, ein wahrscheinlich wenig aussichtsreicher Platz, um darüber in den Landtag einzuziehen. Doch das kümmert ihn nicht. "Ich bin angetreten, um den Wahlkreis direkt zu holen", sagt er kurz und knapp. Klares Ziel, deutliche Worte.

Kleine Pause auf dem Hamtorplatz. Foto: Woitschützke, Andreas

Reiner Breuer ist im "Lukas" geboren und in Norf aufgewachsen. 1987 tritt er in die SPD ein, von '92 bis '96 führt er deren Neusser Jugendverband. Seit '94 sitzt der 43-Jährige im Stadtrat, seit fast 13 Jahren ist er dort Vorsitzender der SPD-Fraktion. Einer, der weiß, was er will — und jetzt will er nach Düsseldorf, denn "Neuss braucht eine starke Stimme im Landtag".

Mit dem NGZ-Tandem unterwegs... Foto: Woitschützke, Andreas

Mit dem Wahlslogan "Kraftvoll für Neuss" will er punkten — und kraftvoll tritt er auch in die Pedale bei der Kandidatentour mit dem NGZ-Tandem durch seine Stadt. Das ungewohnte Gefährt hat er schnell im Griff, die Verkehrslage auch.

Erstes Ziel der Kandidatentour mit Reiner Breuer und NGZ-Redakteurin Anneli Goebels: die Radstation am Bahnhof. Foto: Woitschützke, Andreas

Treffpunkt Hamtorplatz, erstes Ziel: die Radstation am Bahnhof. An der macht der 43-jährige Jurist eines seiner Kernthemen fest — den sozialen Arbeitsmarkt. Denn "Nicht alles, was Arbeit schafft, ist auch sozial", so Breuer. "Gute Arbeit" müsse auch in Neuss geschaffen und gesichert werden, und gute Arbeit sei die, von der man seinen Lebensunterhalt decken und seine Familie ernähren kann. Ziel müsse sein, Langzeitarbeitslosen wieder die Chance auf einen Arbeitsplatz zu ermöglichen. Dabei hilft auch die Radstation. Betreiber ist die Caritas, gegründet wurde sie 2003 mit Landes- und Stadtmitteln. Dort arbeiten vom Jobcenter vermittelte Langzeitarbeitslose als Ein-Euro-Jobber, zurzeit in den verschiedenen Schichten nur noch 20. Die Belegschaft wurde halbiert. Die Zukunft der Station ist ungewiss. Gespräche stehen an. Breuer will sich vehement für den Erhalt der Station einsetzen — und für den Bahnhof "dahinter". "Mit diesem Bahnhof verkauft sich Neuss unter Wert", sagt er. Schließlich sei ein Bahnhof die Visitenkarte einer Stadt.

Neuss-Fan Breuer. Foto: Archiv

Auch das Thema "Mobilität" brennt dem Sozialdemokraten unter den Nägeln. "Der ÖPNV muss verbessert werden, denn die Pendlerverkehre werden zunehmen." Doch nicht nur die. Auch die Güterverkehre werden rasant wachsen — und "müssen konsequent auf die Schiene und die Wasserstraße verlagert werden", sagt Breuer. Passend zum Stichwort geht die Tandem-Fahrt weiter zum Hafen. Dessen Bedeutung für den Wirtschafts- und Verkehrslogistik-Standort Neuss wird Breuer nicht müde zu betonen. "Der Hafen muss weiter ausgebaut werden. Es kann nicht sein, dass Nutzflächen für städtebauliche Experimente herhalten müssen", äußert er sich. Der Hafen sei für die Stadt und die Region wichtig. "Der Niederrhein als Wirtschaftsregion kennt keine Stadt-grenzen", meint Breuer. Beim Blick über das Hafenbecken 1 bleiben seine Augen am Domizil des Bauvereins hängen, und damit beim Thema "Stadtentwicklung". Nicht in die Fläche gehen, um Wohnraum für breite Schichten der Bevölkerung zu schaffen, sondern Bestand "in Schuss bringen" lautet Breuers Devise.

Den Blick aufs Wasser genießt er, nicht nur am Hafenbecken 1, auch den auf den Rhein, wenn er mit Ehefrau Ute, die ihn sofort darin bestärkte, die Kandidatur anzunehmen, und Tochter Julia am Grimlinghausener Ufer spazierengeht. "Bildung und Jugend" gehören auch zu seinen bevorzugten Themen und er zitiert die SPD-Frontfrau Hannelore Kraft: "Wir wollen kein Kind zurücklassen." Es gehe um eine verlässliche Bildungs- und Betreuungskette, sagt der Politiker und Vater. Er will sich dafür einsetzen, dass Kindergartenbeiträge vollständig abgeschafft werden und auch, dass Studieren in NRW kostenlos bleibt. Denn es dürfe nicht vom Einkommen der Eltern abhängen, ob man studieren könne oder nicht.

Wo der SPD-Kandidat sich zum ersten Mal Gehör verschaffte, endet die Tandem-Tour — am Lukaskrankenhaus, seinem Geburtsort. Das Krankenhaus ist seiner Meinung nach ein Paradebeispiel für ein erfolgreiches kommunales Unternehmen. Dazu beigetragen habe auch jemand mit einer starken Stimme für Neuss im Landtag, Friedhelm Farthmann, der ebenso für den Willy-Brandt-Ring gekämpft habe. Und kämpfen will Reiner Breuer auch, doch nicht nur. Zeit zum Entspannen muss auch sein.

Die findet der 43-Jährige beim Radeln mit der Familie, ab und an in der "Mucki Bude", wie er sagt, sowie beim Kochen mit Freunden. Dabei sei dann immer einer der Chef, die anderen die "Gehilfen", die das Rezept zubereiten. Beim Schützenfest ist der Neusser natürlich auch mit von der Partie. Er ist Mitglied des Grenadierzuges "Wisse Röskes".

(NGZ)