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Neuss: Zensus: Neuss wird gezählt

Neuss : Zensus: Neuss wird gezählt

Maria und Josef mussten eine beschwerliche Reise antreten, als der römische Kaiser Befehl zur Volkszählung gab. Beim Zensus 2011 machten Interviewer Hausbesuche. Der Erfolg: Fast alle Fragebögen kamen ausgefüllt zurück.

Hätten Maria und Josef in unserer Zeit gelebt, der beschwerliche Weg nach Bethlehem wäre ihnen erspart geblieben — und Jesus nicht in einem Stall, sondern vielleicht bei einer Hausgeburt zur Welt gekommen.

Denn Josef hätte sich seiner Mitwirkungspflicht zur Volkszählung daheim am Computer entledigen können, im Online-Portal des Zensus 2011. So wie 2259 Auskunftspflichtige alleine aus dem Rhein-Kreis auch.

Volkszählungen wurden immer schon angestellt und waren nie Selbstzweck. Denn Statistiken wollen angewandt werden, am liebsten auf der Einnahmenseite. Das sah schon der römische Kaiser Augustus so als er, wie der Evangelist Lukas berichtet, den Befehl gab, "alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen." Sicher aber war es nicht die erste Zählung dieser Art, denn allein Augustus berichtet in seinen "res gestae", einer Art kaiserlichem Rechenschaftsbericht, von mehreren solcher Erhebungen. Denn Grund- und Kopfsteuern sind keine Erfindung der Neuzeit, und die Römer erfassten dazu jeden eroberten Landstrich statistisch.

In Deutschland müssen solche Basisdaten nicht mehr erhoben werden. Hierzulande sind alle möglichen (und unmöglichen) Lebensbereiche längst statistisch erfasst und durchdrungen. Trotzdem verteidigt Jürgen Steinmetz, Allgemeiner Vertreter des Landrates, den Zensus 2011 als sinnvoll. Die letzten Daten seien 1988 und damit vor der Wiedervereinigung Deutschlands erhoben worden, nennt er ein Argument. "Und man kann Statistiken nicht auf unsicherer Zahlenbasis einfach fortschreiben", sagt er.

Der Zensus 2011 hat das Ziel, die genaue Einwohnerzahl in Deutschland festzustellen und Informationen über Wohnraum, Arbeitswelt und Bildung zu erhalten. Stichtag war der 9. Mai, doch Ergebnisse liegen noch nicht vor. Erst vergangene Woche teilte IT NRW als statistisches Landesamt die Regeln für die finalen Begehungen mit, mit denen die Gebäude- und Wohnzählung abgeschlossen werden soll. Von Januar bis Ende April müssen die (meist ehrenamtlichen) Mitarbeiter der Erhebungsstelle des Kreises 17 592 Adressen "abklappern".

Augustus ordnete noch an, alle Bewohner zählen zu lassen. Dank statistischer Methoden reicht heutzutage eine Stichprobe. Nur zehn Prozent der Bevölkerung wurden um Auskunft gebeten, insgesamt knapp 40 000 Haushalte. 38 228 Fragebögen liegen aktuell wieder der Erhebungsstelle vor - ohne die im Internet ausgefüllten. Und obwohl der Zensus heftig diskutiert wurde, sind nur noch 195 Fälle offen, musste nur 113. Mal ein Zwangsgeld von 300 Euro festgesetzt werden. Vielleicht liegt das daran, dass sich im Auftrag des Zensus 413 Interviewer auf den Weg machten — und auch bei Maria und Josef Hausbesuch gemacht hätten.

Hier geht es zur Infostrecke: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Zensus

(NGZ/rl)