Neuss : Zehn neue Fälle

Die Zahl der Urlaubsreisenden, die sich mit der Schweinegrippe angesteckt haben, ist seit dem Wochenende auf zehn gestiegen. Alle kamen aus Spanien zurück. Das Kreis-Gesundheitsamt geht von weiteren Fällen aus.

Die Zahl der Urlaubsreisenden, die sich mit der Schweinegrippe angesteckt haben, ist seit dem Wochenende auf zehn gestiegen. Alle kamen aus Spanien zurück. Das Kreis-Gesundheitsamt geht von weiteren Fällen aus.

Rhein-Kreis Neuss Viele Urlauber, die in den nächsten Tagen in Richtung Spanien starten, tun dies mit gemischten Gefühlen. Aus gutem Grund, denn die Schweinegrippe breitet sich langsam aus. Seit dem Wochenende hat sich die Zahl der bestätigten Fälle um zehn auf 31 erhöht. Alle Neu-Erkrankten kehrten aus dem Urlaub von der Iberischen Halbinsel zurück. "Zumeist jugendliche Urlauber", sagte am Dienstag Dr. Michael Dörr, Amtsarzt des Gesundheitsamtes des Rhein-Kreises Neuss.

Dörr geht davon aus, dass die Zahl der Erkrankten in den nächsten Tagen und Wochen steigen wird: "Die Schweinegrippe wird gewissermaßen importiert." In Spanien gibt es zurzeit einen Schwerpunkt, wo die Urlauber sich offenbar den Virus einfangen: auf der Ferieninsel Mallorca und in Llloret de Mar an der Costa Brava. Diese beiden Ferienziele sind vor allem bei jüngeren Gästen sehr beliebt und erklären auch mit, warum die Infizierten überwiegend Jugendliche sind. Die zehn Neu-Erkrankten sind laut Dörr zwischen fünf und 20 Jahren alt. Mediziner Dörr liefert aber noch eine andere, fundierte Erklärung: "Es ist wohl so, dass Ältere einen Teilschutz gegen das Virus haben. Sie haben im Unterschied zu jungen Menschen gewisse Abwehrkräfte in sich." In Spanien sind aktuell 1200 Fälle offiziell registriert.

Dörr warnt vor einer Panikmache. "Die Krankheitsverläufe sind weiterhin in der Regel mild. Die bisherigen 21 Fälle haben sich alle ohne Komplikationen von den Infektionen erholt." Auch den jetzt zehn Betroffenen gehe es den Umständen entsprechend gut. Im Übrigen könnten nach einer neuen Empfehlung des Robert-Koch-Instituts zur Schweinegrippe die bisherigen Quarantänemaßnahmen für Betroffene gar gelockert werden.

Angesichts der eingeschleppten Infektionen steige die Bedeutung der persönlichen Hygiene wie häufiges Händewaschen, insbesondere bei Kontakt mit Reiserückkehrern. Über die aktuelle Situation im Rhein-Kreis Neuss hat das Kreisgesundheitsamt auch die niedergelassenen Ärzte informiert. Zurzeit gebe es, so Dörr, beim Bundesgesundheitsministerium offenbar Überlegungen, die "normale" Schutzimpfung gegen Grippe mit der gegen Schweinegrippe zu kombinieren. Zwar seien dort zwei Impfungen nötig, doch es werde geprüft, ob und wie es umsetzbar sei. Offen ist auch noch, wer nach Zulassung des neuen Impfstoffes die Patienten impfe und auch wen? "Die Verteilung des Impfstoffes ist noch ungeklärt", so Dörr.

Aufgrund der zehn neuen Fälle hat das Neusser Kreisgesundheitsamt prompt reagiert und eine Bürger-Hotline eingerichtet. Sie steht allen, die Fragen zum Thema Schweinegrippe haben, rund um die Uhr unter der Telefonnummer 0 21 81/ 601 53 12 kostenlos zur Verfügung. Ein Service, auf den Dr. Michael Dörr besonders stolz ist: "Wir sind damit das einzige Gesundheitsamt landesweit, das eine solche Bürger-Hotline anbietet." Dort gibt es kompetente Informationen zur Influenza, zur weltweiten Ausbreitung der Schweinegrippe, aber auch zur individuellen Situation, in der sich der jeweilige Anrufer befindet.

(RP)