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Neuss: Zahlen nirgendwo festgeschrieben

Neuss : Zahlen nirgendwo festgeschrieben

Hombroich (hbm) Irritationen hat die negative Stellungnahme des NRW-Umwelt- und Landwirtschaftsministers Eckhard Uhlenberg zur Planung des Raumortlabors nicht nur wegen seines grundsätzliches Inhalts ausgelöst, sondern auch in Einzelteilen.

Hombroich (hbm) Irritationen hat die negative Stellungnahme des NRW-Umwelt- und Landwirtschaftsministers Eckhard Uhlenberg zur Planung des Raumortlabors nicht nur wegen seines grundsätzliches Inhalts ausgelöst, sondern auch in Einzelteilen.

Dass auf der Raketenstation ein neues Wohn- und Arbeitsgebiet für gleich 15 000 Menschen geplant wird - wie in dem Schreiben festgehalten -, ist für Wilhelm Petzold nämlich neu und auch nicht vorstellbar.

Der langjährige Freund und Begleiter des verstorbenen Hombroich-Gründers Karl-Heinrich Müller, welcher das Projekt auch initiiert hatte, ist seit Beginn an der Entwicklung des Raumortlabors beteiligt gewesen und kann sich nicht erklären, woher diese Zahl stammt.

"Zu keinem Zeitpunkt wurde an irgendeiner Stelle festgehalten, wie viele Menschen eines Tages im dort leben werden", sagt er entschieden. Und er fängt an zu rechnen: "Wenn es bei den derzeitigen Überlegungen über die Aufteilung von Flächen bleibt - wie sollen da wohl 15 000 Menschen leben können?"

Die Betreuung des Raumortlabors liegt im übrigen nicht in den Händen der Stiftung Insel Hombroich (deren Geschäftsführer Petzold ist), sondern bei einer gemeinnützige Stiftungs-GmbH. Sie wurde im Mai vergangenen Jahres gegründet; zu ihren Geschäftsführern gehört auch der in Hombroich lebende Architekt und Künstler Oliver Kruse.

Die Zahl von 15 000 potenziellen Neubürgern in Hombroich hat auch Bündnis 90/Die Grünen irritiert. Der Fraktionsvorsitzende Michael Klinkicht kritisiert: "Ich höre zum ersten Mal, dass hier 15 000 Menschen angesiedelt werden sollen, das wären doppelt soviel Personen, wie derzeit in Grimlinghausen leben."

Auch er hat angefangen zu rechnen: "Die Pläne des Raumortlabors beinhalten nach Kenntnis der Grünen, dass 90 Prozent der jetzigen Flächen Freiflächen bleiben sollen.

Demnach könnten nur 44 Hektar bebaut werden, das wären 440 000 Quadratmeter". Wenn auf dieser Fläche die avisierten Ein- und Zweifamilienhäuser geburt würden, entstünde bei durchschnittlichen drei bis vier Personenhaushalten "Wohnraum für 3 500 Menschen".

Auch der umweltpolitische Sprecher der Partei, Roland Kehl, zweifelt die Zahlen an: "Es ist nur schwer vorstellbar, dass so viele Menschen in aufgelockerter Bauweise auf so wenig Fläche Platz finden sollen.

Der Charme des Projektes war und ist doch gerade, dass 90 Prozent der vorhandenen Fläche ökologisch aufgewertet werden sollen, ohne sie zu versiegeln."

Kehl fordert zudem ein Einvernehmen mit den Bauern und eine Realisierung des Projektes nicht an verschiedenen, sondern an zusammenhängenden Flächen.

(NGZ)