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Neuss: Zahl der Flüchtlinge steigt

Neuss : Zahl der Flüchtlinge steigt

So viele Flüchtlinge kamen zuletzt Ende der 1990er Jahre nach Neuss: Die Zahl der Zuweisungen hat sich im ersten Halbjahr 2013 nahezu verdoppelt. Die Experten im Rathaus gehen davon aus, dass sich dieser Trend angesichts der Krisenherde auf der Welt noch weiter fortsetzen wird. Beigeordneter Stefan Hahn schlägt Alarm: "Unsere Kapazitäten sind bald ausgeschöpft. Wir benötigen ein viertes Übergangsheim."

Die Kollegen der Stadtverwaltung, so bestätigt der Sozialdezernent, seien bereits auf der Suche nach einem geeigneten Standort.

Zum Vergleich: In den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres ließen sich bereits 99 Ayslbewerber in Neuss registrieren; 2012 waren es im gesamten Jahr lediglich 70 Menschen. Der Zustrom setzte im August vergangenen Jahres ein. Seither kamen 147 Flüchtlinge nach Neuss. Die meisten stammen aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens (Serbien, Mazedonien, Kosovo), der ehemaligen Sowjetunion (Russland, Aserbaidschan, Armenien) und aus Syrien.

Die Stadt Neuss hält aktuell drei Übergangsheime vor. Über Jahre reichten die 152 Plätze an der Bergheimer Straße bequem aus. Bereits im Herbst 2012 wurde das Heim am Berghäuschensweg (40 Plätze) wieder aufgeschlossen und Ende Juni wurde schließlich auch die dritte Einrichtung am Derendorfweg (75) wieder in Betrieb genommen.

Da bei der Belegung auf Familien, Alter, Geschlecht, Nationalität oder Relegionszugehörigkeit Rücksicht genommen werden muss, können die maximalen Belegzahlen (Neuss 267 Plätze) nach Erfahrung der Experten der Verwaltung nur zu 80 Prozent (214 Plätze) erreicht werden. Derzeit leben 183 Flüchtlinge in den drei Neusser Übergangsheimen. "Berücksichtigen wir anstehende Auszüge", sagt Stefan Hahn, "können wir vielleicht noch 60 Personen aufnehmen." Neuss sei gezwungen, wie andere Städte auch, neue Kapazitäten aufzubauen. Das belegen die bundesweiten Zahlen: Im ersten Halbjahr ist die Zahl der Asylanträge um rund 20 000 auf jetzt 43 000 angestiegen. Sozialexperten halten eine Gesamtzahl von 100 000 Anträgen in diesem Jahr "für nicht unrealistisch". Hahn erinnert daran, dass mit steigenden Flüchtlingszahlen auch die Sozialkosten steigen, die von der Stadt Neuss zu tragen sind. Im laufenden Jahr wird Neuss knapp zwei Millionen Euro aufbringen müssen; vor fünf Jahren waren es lediglich 1,2 Millionen. Rund ein Drittel der Kosten erstattet das Land NRW.

Derweil kämpft die Stadt Neuss dafür, dass auch die bis zu 150 Flüchtlinge, die in der Zentralen Aufnahmestelle (ehemaliges St. Alexius-Krankenhaus) leben, auf die Zuweisungsquote angerechnet werden. Der Entwurf zu einem neuen Gesetz sieht vor, dass diese Anrechnung erst erfolgt, wenn die Zentralstelle drei Jahre unterhalten wird. "Wir haben einen Brief geschrieben", sagt Hahn, "die Zeit muss verkürzt werden". Im Oktober 2012 zogen die ersten Flüchtlinge ins "Alex" ein. Der Vertrag läuft Ende November aus, soll aber bis Ende Mai 2014 verlängert werden.

(NGZ)