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Neuss: Yoghurt mit Harald Schmidt

Neuss : Yoghurt mit Harald Schmidt

Neuss Man muss kein Harald Schmidt-Fan werden, um wirkungsvoll etwas gegen Osteoporose zu tun. Doch wer seinen Tag nicht nur mit Deutschlands Fernseh-Lästermaul Nummer eins ausklingen lässt, sondern dabei auch noch Yoghurt löffelt, der hat eine Menge gegen den dramatischen Zuwachs dieser neuen "Volkskrankheit" getan.

Neuss Man muss kein Harald Schmidt-Fan werden, um wirkungsvoll etwas gegen Osteoporose zu tun. Doch wer seinen Tag nicht nur mit Deutschlands Fernseh-Lästermaul Nummer eins ausklingen lässt, sondern dabei auch noch Yoghurt löffelt, der hat eine Menge gegen den dramatischen Zuwachs dieser neuen "Volkskrankheit" getan.

Findet zumindest Corinna Fenneken. "Yoghurt löffeln bei Harald Schmidt" war nur einer von vielen Tipps, die die Diät-Assistentin und Diplom-Sportwissenschaftlerin den Besuchern des NGZ-Gesundheitstages am Mittwoch mit auf den Heimweg gab. Den sie am besten zu Fuß angetreten hätten, denn ausreichende Bewegung ist sowohl als Vorbeugung als auch als Gegenmittel in Sachen Osteoporose mindestens ebenso wichtig wie vernünftige Ernährung.

Dass "vernünftig" nicht gleichbedeutend ist mit fade und geschmacklos, diesen Beweis trat Corinna Fenneken mit ihrem Streifzug durch die Welt der Milchprodukte und Mineralwässer, Gemüsen und Genussmitteln ("in Maßen, nicht in Massen") an. Wichtig dabei: der möglichst hohe Calcium-Gehalt.

Mit Corinna Fenneken buhlten in Person des Neusser Orthopäden und Osteologen ("Knochendoktor") Dr. Wolfgang Lemken und dem gesundheitspolitischen Multitalent Dieter Welsink zwei weitere Referenten um die Aufmerksamkeit der meist älteren Zuhörer. Zweihundert von ihnen waren am Mittwoch Nachmittag in die medicoreha gekommen, das waren noch mehr als bei der Premiere des NGZ-Gesundheitstages vor einem halben Jahr, als es um das "Kreuz mit dem Rücken" ging. Lemken hatte bereits damals prophezeit, dass das Thema Osteoporose auf mindestens ebenso viel Interesse stoßen würde.

Da lag er richtig. Das zeigte nicht nur die Teilnehmerzahl, sondern auch die Aufmerksamkeit während der von NGZ-Redakteurin Ruth Wiedner moderierten Vorträge und der anschließenden Fragestunde. Viele Besucher saßen mit Notizblock und Kugelschreiber in der Hand da wie bei einem medizinischen Seminar. Mit dem Unterschied, dass alle drei Referenten ihr Thema allgemein verständlich und anschaulich an die mehrheitlich im Publikum vertretenen Frauen brachten.

Sieben Millionen von ihnen, die meisten jenseits der Wechseljahre, sind an Osteoporose erkrankt - das sind 39 Prozent aller deutschen Frauen über fünfzig. Doch die Zahl ihrer männlichen Leidensgenossen nimmt beängstigend zu, Lemken spricht von 25 Prozent aller Erkrankungen. Und selbst Kinder und Jugendliche sind bereits davon betroffen, was Fenneken und Welsink auf falsche Ernährung und viel zu wenig Bewegung innerhalb der "Computer- und Fernsehgeneration" zurückführen.

Wenn schon Fernsehen, dann wenigstens mit einem Yoghurt. "Der Lebensstil hat sehr viel mit der Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung zu tun", sagt Lemken, der per Computeranimation vorführte, was in so einem Knochen vor sich geht, wo Osteoblasten (bauen auf) und Osteoklasten (zerstören) um die Vorherrschaft kämpfen.

Gewinnen die Letzteren, droht Osteoporose mit all ihren, auch volkswirtschaftlichen, Folgen: 150 000 Schenkelhalsfrakturen gibt es pro Jahr in Deutschland, "eine AB-Maßnahme für uns Chirurgen", sagt Lemken. Dieter Welsink empfiehlt als Gegenmittel ein gezieltes, aber auch dosiertes Training, am besten unter fachkundiger Anleitung: "So bewahren Sie Mobilität und schützen sich gleichzeitig vor dem Alleinsein." Schließlich kann man seinen Yoghurt nicht nur mit Harald Schmidt löffeln.

(NGZ)