Xenon-Quartett in der Kapelle des Lukaskrankenhauses Neuss

Konzert im Lukaskrankenhaus Neuss : Virtuose Musik für Saxophon-Quartett

Die Konzertreihe in der Kapelle des Lukaskrankenhauses geht in die Sommerpause.

Zum letzten Konzert vor der Sommerpause in der Kapelle des Lukaskrankenhauses war, was ganz selten vorkommt, einmal ausreichend Platz. Dem heißen Sommerwetter war geschuldet, dass es sich in der Kapelle der Städtischen Kliniken gut 50 Zuhörer bequem machen konnten, während üblicherweise drangvolle Enge bis auf den Flur herrscht.

An den Musikern lag es nicht, denn mit dem „Xenon Saxophone Quartet“ waren ausgewiesene Spezialisten zu Gast, die als vielfach international preisgekröntes Ensemble zu den Hoffnungsträgern der aktuellen Kammermusikszene gehören. Die vier Saxophonisten Lukas Stappenbeck (Sopran), Anze Rupnik (Alt), Adrian Durm (Tenor) und Bejamin Reichel (Bariton), zwischen 25 und 30 Jahre alt, haben alle bei dem bedeutenden Kölner Lehrer Professor Daniel Gauthier studiert. Vor bald zehn Jahren gründete sich  das Ensemble mit dem Namen des seltenen Edelgases Xenon.

In einer eigenen Transkription eröffneten sie das Konzert mit Johann Sebastian Bachs Klavierwerk „Fantasie und Fuge in a-Moll“ (BWV 904). Besonders in der vierstimmigen Doppelfuge war der bestechend satt-sonore Klang der Instrumente sehr angenehm, das Spiel von höchster Meisterschaft.

Ein Originalwerk für vier Saxophone schuf der russische Spätromantiker Alexander Glasunow mit dem „Quartett in B-Dur“ 1932. Eine schöne melodiöse Canzona wird in fünf Variationen quasi jedem einzelnen Instrument anvertraut, bevor sich am Ende das Ensemble ausdrucksstark wieder zusammenfindet. Der französische Komponist Eugène Bozza hat viel Musik für Bläser geschrieben. Sein „Andante et Scherzo“ für Saxophonquartett ist nach ruhig wiegender Einleitung ein virtuoses Husarenstück.

Von seinem elfteiligen Klavierzyklus „Musica ricercata“ hat György Ligeti 1953 „Sechs Bagatellen“ für Bläserquintett bearbeitet, die wiederum Fabian Oehrli mit Erlaubnis des Komponisten für Saxophonquartett arrangiert hat. Während Paul Gier, der künstlerische Leiter der „Konzerte im Lukas“, sehr skeptisch war („Ligeti für meine Publikum?“), honorierten die Zuhörer die eindrucksvolle Aufführung mit großem Applaus, auch wenn die dissonante Ausführung des „Rubato lamentoso“ an Abgründe vertrauter Hörgewohnheiten führte.

Schmunzeln stellte sich wieder ein  bei  „Elegie und Polka“, die Dmitri Schostakowitsch als Vorübung für seine 15 Streichquartette schrieb. Nach dem ironischen Polka-Spaß bestand das Publikum auf mehreren Zugaben. Darunter konnte besonders „Adios Amigos“ von Astor Piazolla gefallen. Und  „Guten Abend, gute Nacht“ von Johannes Brahms war dann der ultimative Rausschmeißer. 

(Nima)
Mehr von RP ONLINE