Neuss: Wunschbild von einer Schule

Neuss : Wunschbild von einer Schule

Hombroich/Düsseldorf Die Finanzierung spielt (noch) keine Rolle, dafür aber die Umgebung und noch mehr das Thema: eine experimentelle Grundschule auf etwa 700 Quadratmetern mit einem individuellen baulichen Charakter, die die kulturelle, musische und soziale Erziehung der Schüler unterstützt, soll entstehen, wo jetzt noch der Ackerbau das Bild bestimmt.

Hombroich/Düsseldorf Die Finanzierung spielt (noch) keine Rolle, dafür aber die Umgebung und noch mehr das Thema: eine experimentelle Grundschule auf etwa 700 Quadratmetern mit einem individuellen baulichen Charakter, die die kulturelle, musische und soziale Erziehung der Schüler unterstützt, soll entstehen, wo jetzt noch der Ackerbau das Bild bestimmt.

Der Plan von einer von einem privaten Träger geführten vierzügigen Grundschule am Rand der Raketenstation in Hombroich hat zwar die erste Diskussion in der Politik schon hinter sich, besteht aber vorerst nur auf dem Papier.

Während eine Arbeitsgruppe der Stiftung Insel Hombroich noch an den Feinheiten eines pädagogischen Konzeptes feilt, haben sich 30 angehende Architekten aber schon mal Gedanken darüber gemacht, wie eine solche Schule aussehen könnte. Alle studieren sie an der Peter Behrens School of Architecture der Fachhochschule Düsseldorf und haben sich für ihre Diplom-/Bachelor-Arbeit eben dieses Thema aus einer Liste ausgesucht.

Dass fast ein Viertel aller Absolventen (insgesamt 130, wobei darunter auch zukünftige Innenarchitekten sind), sich für die Grundschule in Hombroich entschieden haben, hat sicher auch damit zu tun, dass der Hombroich-Künstler und -Architekt Oliver Kruse eine Professur an der FH hat. Aber nicht nur: "Die Aufgabe hat etwas Reales und mehr mit dem Leben der Studenten zu tun als der Bau eines Bürogebäudes", erklärt der betreuende Professor Jochen Schuster die große Resonanz.

"Ein Gebäude für Kinder, bei dem ich viele meiner Idee umsetzen kann" - das ist denn auch der Beweggrund für Evelyn Scharrenbroich gewesen, sich mit der Hombroich-Aufgabe zu befassen. Ihr Entwurf gehört zu den drei besten (alle sind übrigens bis Ende der Woche in der Peter Behrens School ausgestellt), weil sie nicht nur ein bauliches, sondern auch ein pädagogisches Konzept entwickelt hat.

Die 32-Jährige, die nach dem Master of Art gerne in ihre karibische Heimat zurückkehren möchte, um dort an der Uni zu unterrichten, geht von einer Ganztagsschule aus. Dafür stellt sie vier Gebäuderiegel aufs Feld, deren Dimensionen sich maßstabgerecht zur Größe eines Kindes verhalten: "Andere haben vier Meter hohe Räume entworfen", sagt Schuster, wobei in seiner Stimme durchaus ein leicht tadelnder Unterton mitschwingt.

Für Evelyn Scharrenbroich ist der Kontakt zur Natur wichtig; der Blick auf das freie Feld; die Verwendung von heimischen Hölzern und einem sanften Grün für Wände und Glasstreifen in der Fassade. Vormittags sind die Lernfächer dran, nachmittags der kreative Unterricht; dazwischen spielen, arbeiten, lesen in Ruheräumen: "Ich bin von meinem eigenen Wunsch ausgegangen", sagt die Studentin, "ich möchte meine Kinder gut untergebracht wissen, während ich arbeite". Die Schule nicht in die Breite, sondern in die Länge zu bauen, hat für sie auch etwas mit Bewegung zu tun: "Nach außen ist das Gebäude ruhig, innen dagegen lebendig."

Andere Studenten haben sich mehr von der künstlerischen Ausstrahlung Hombroichs leiten lassen. Philipp Flaminger etwa hat sich an Donald Judds Landart in Amerika orientiert und vier große aus Lehm gebaute Boxen entworfen - für jeden Jahrgang eine.

Philipp Bilke hat sich an die strenge Architektur eines Erwin Heerich gehalten und einen Schulkomplex entworfen, der nach außen abgeschlossen ist, nach innen sich zu einem geschützten Schulhof öffnet. Oder Viviane Weber: Sie hat wie Evelyn Scharrenbroich ebenfalls ein pädagogisches Konzept entwickelt und dafür ein Gebäude gebaut, das einen Schulhof umschließt, aber jeder Klasse im Gebäude auch einen kleinen Vorplatz zugesteht. Die Fassade besteht aus einem Weidengeflecht.

Die meisten Arbeiten wären sofort realisierbar, sagt Schuster. Er stellt zwar (vorsichtig) fest, dass "die weiblichen Studenten mit mehr Sensibilität an das Thema herangegangen sind", zeigt sich grundsätzlich aber fasziniert von den vielen verschiedenen Entwürfen. Oliver Kruse, der die Studenten auch in den Colloquien begleitet hat, ließ sich jedenfalls einige der Entwürfe auf CD brennen ...

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE