Wolfgang Bathe schließt nach 45 Jahren sein Fotoatelier in Neuss

Das Fotoatelier Bathe in Neuss schließt: Der Beobachter

Wolfgang Bathe schließt sein Fotoatelier. Damit verschwindet eine Institution, die 1903 der Lichtbildner Heinrich Kleu ins Leben rief.

Wer hat das Bild vom neuen Schützenkönig als erster im Schaufenster hängen – und wer hat das schönste? Um Sieger in diesem Rennen zu bleiben, leisteten sich die Fotoateliers in der Stadt lange  regelrechte Wettrennen. Seit 2012, als Heinz Adrians nach 50 Berufsjahren „Foto Wickrath“ schloss, rannte nur noch Wolfgang Bathe. Und der bleibt jetzt – um im Bild zu bleiben – auch noch stehen. Kommenden Dienstag schließt der 69-Jährige Atelier, Geschäft und Labor am Glockhammer. Und es kommt nichts nach. „Das bleibt vielleicht meine einzige Niederlage: Dass ich es nicht geschafft habe, einen Nachfolger zu finden“, sagt Bathe.

Die Bildersammlung von Heinrich Kleu übergab Nachfolger Bathe 2005 dem Stadtarchiv. Foto: stadtarchiv

Mit dem Fotoatelier Bathe schließt eine Institution, deren Anfänge ins Jahr 1903 zurückreichen. Damals eröffnete der Lichtbildner Heinrich Kleu, ein zugezogener Niederländer, an der Krefelder Straße seine „Kunstanstalt für moderne Photographie“. Zu ihm ging man, sollte ein besonderer Anlass fotografisch festgehalten werden. Und das blieb auch so, als Wolfgang Bathe 1973 das Geschäft übernahm. Er ist und war der dritte Besitzer des Ateliers in dessen 115-jähriger Geschichte. Denn auf Heinrich Kleu, der 1948 starb, folgte vor Bathes Einstieg ins Geschäft nur Kleus Tochter Marlies.

Wer einen besonderen Anlass im Foto festhalten wollte, ging zu Bathe. So wie Eric Cieslak. Foto: Bathe

Bathe wusste nicht viel vom Rheinland, als er auch die hölzerne Porträtkamera samt Stativ übernahm, mit der noch 1973 im Studio Neusser Bürger im wahrsten Sinne des Wortes auf Platte gebannt wurden. Vom Karneval hatte der gelernte Fotografenmeister in seiner Heimatstadt Berlin mal gehört, das Schützenwesen kannte er gar nicht. Aber der damals 24-Jährige wollte raus aus der „Mauerstadt“ Berlin – und reagierte auf eine Anzeige in einem Foto-Fachmagazin. So fand er sich in einem „altehrwürdigen Laden“ in Neuss wieder, den er so lange führte wie dessen Gründer Kleu.

Ein Haus mit Tradition: Foto Kleu war von 1903 bis 2013 an der Krefelder Straße ansässig. Foto: Stadtarchiv Neuss
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Sich 45 Jahre lang als Selbständiger behauten zu können, hieß für Bathe auch, alle technischen Neuerungen mitzumachen. 1973 fotografierte er noch auf Platte, Kleinbilder kamen hinzu, später die Colorfilme, er erlebte den Einzug von Printmaschinen und stieg konsequent in das Thema Digitalfotografie ein. Zu den klassischen Feldern der Porträt-, aber auch der ebenso gepflegten Werbe- und Industriefotografie kamen nun Reihenaufnahmen von Schülern und Schulklassen hinzu. Schon um die Technik auszulasten.

Dass Bathe Erfolg hatte, lag aber auch an seinem kaufmännischen Können und daran, dass er Neuss „lernte“. Er war gesellschaftlich im Karneval wie auch im Schützenwesen präsent, gehörte zur Parade genauso auf den Markt wie der Oberst, und zeigte auch in anderen Zusammenhängen Gespür für die Stadt. Und er behandelte alle Kunden mit der gleichen Freundlichkeit.

Das Ende des Ateliers steht fest, was aus den Bildern wird, ist offen.  Das Kleu-Archiv der Jahre bis 1965 hatte Bathe schon 2005 dem Stadtarchiv übergeben. Über seine Bestände müsse er – gerade in Zeiten des Datenschutzes – nachdenken.

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