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Wohnungsnot in Neuss: Bauverein stellt seine Projekte und Fördermöglichkeiten vor

Wohnungsnot in Neuss : Eine Leistungsschau des Bauvereins

Die Wohnungsnot beherrscht einen Teil der politischen Debatte. In dieser Situation zeigt das Unternehmen Flagge.

1000 neue Wohnungen bis zum Jahr 2020 – dieses selbst gesteckte Ziel wird der Neusser Bauverein nicht erreichen. Dafür macht Frank Lubig die angespannte Lage auf dem Bausektor und komplizierte baurechtliche Fragen verantwortlich. Trotzdem hat der Vorstand der größten Neusser Wohnungsbaugesellschaft Anlass genug, eine eigene Leistungsschau auf die Beine zu stellen. Denn bis zum Jahresende befinden sich 601 Mietwohnungen im Bau, 582 weitere in der Planung.

Wenn der Bauverein am Sonntag, 10. November, über seine aktuellen Vorhaben informiert, soll das nach Lubigs Darstellung mit der Aufklärung über Fördermöglichkeiten verbunden werden. „Wir wollen auf die Leute zugehen und aufzeigen, wie sie an einen Wohnberechtigungsschein kommen“, sagt Lubig. Die wenigsten wüssten nämlich über ihren Anspruch Bescheid. Auch deshalb hat das Unternehmen auf seiner Internetseite einen WBS-Rechner installiert.

Baubeginn in Norf: An der Nievenheimer Straße entsteht ein generationenübergreifendes Quartier – mit Seniorenheim. Foto: Neusser Bauverein

Über 125 Jahre ist der Bauverein inzwischen alt, doch eine solche Leistungsschau gab es lange nicht. Einerseits, weil es Immobilienbörsen wie sie vor Jahren die Sparkasse bot, nicht (mehr) gibt. Andererseits, weil die Wohnungsnot auch in Neuss ein großes Thema in der politischen Debatte ist. „Bezahlbare Mietwohnungen? – Haben wir!“ hat der Vorstand als Reaktion darauf seinen Infotag überschrieben, wohl wissend, dass in der Politik gerade über die Formulierung „bezahlbar“ schon heftig gestritten wurde. Lubig hält dagegen: Die meisten Angebote des Bauvereins lägen unter den Werten des Mietspiegels und den Preisen der Konkurrenz.

Mit dem Infotag will der Bauverein Interesse an seinen Objekten wecken, obwohl die Warteliste (noch) lang ist. Denn zum Beispiel die 59 Wohnungen an der Nordkanalallee gehen jetzt in die Vermietung. 33 davon sind öffentlich gefördert und werden zu Quadratmeterpreisen von sechs beziehungsweise 6,80 Euro angeboten.

Diese Neubauten sind das Initialprojekt für den „Augustinus-Park“ auf dem Alexianer-Gelände, das größte Vorhaben in der Firmengeschichte. 550 Wohnungen werden in den kommenden Jahren dort entwickelt. Von diesem Projekt gibt es bislang nur ein Modell. Für die meisten anderen Vorhaben kann der Bauverein Grundrisse zeigen sowie Entwürfe und Animationen vom späteren Aussehen der Häuser. Das gilt zum Beispiel für die Neubauten auf dem Gelände der ehemaligen Sauerkrautfabrik Leuchtenberg, wo in in den kommenden beiden Jahren sechs Mehrfamilienhäuser mit 154 Mietwohnungen entstehen. „Die Rohbauten wachsen bereits aus der Erde“, sagt Lubig. Nachdem die Erschließung fertig ist, haben auch die Bauarbeiten an der Nievenheimer Straße in Norf begonnen, wo in einem ersten Bauabschnitt ein Seniorenheim mit Nachbarschaftstreff, Diakoniestation, Tagespflege und betreutem Wohnen sowie ein Mehrfamilienhaus mit Wohnen mit Service fertiggestellt werden soll. In dem Mehrgenerationen-Quartier werden zudem Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 101 Mietwohnungen und sechs Miet-Einfamilienhäuser errichtet, sowie 21 Eigentumswohnungen und zehn Doppelhaushälften zum Kauf.

Auch am Gottfried-Schmitz-Weg sind die Bagger im Einsatz. Dort entsteht in Kooperation mit dem Memory-Zentrum der Augustinusgruppe ein Mehrfamilienhaus mit 13 altersgerechten Wohnungen für Menschen mit leichter dementieller Erkrankung sowie sechs Miet-Einfamilienhäuser für junge Familien. Und an der Römerstraße/Neusser Weyhe werden die Dachgeschosse ausgebaut, so dass dort zusätzlich 31 neue Wohnungen mit Dachterrassen entstehen.

Die Bauvorhaben Am Hohen Weg und an der Willi-Graf-Straße sollen noch vor dem Jahresende starten, kündigt Lubig an.