Neuss: Wohnraum: Abriss für Neubau

Neuss : Wohnraum: Abriss für Neubau

Der Kreis Neuss ist landesweit Spitzenreiter, wenn es um Abrissarbeiten von Wohnhäusern geht. Daran hat Neuss einen großen Anteil. Denn die Stadt strukturiert sich neu: 2011 wurde eine Rekordzahl an Baugenehmigungen erteilt.

212 Wohneinheiten in Erfttal hat der Neusser Bauverein schon abgerissen, 143 weitere an der Hülchrather Straße in Weckhoven werden folgen. Häuser an der Schulstraße mussten weichen, am Kotthauser Weg stehen ebenfalls Veränderungen an. Neuss baut um, und dafür steht an erster Stelle der Abriss — das trägt dazu bei, dass der Rhein-Kreis zu den Spitzenreitern einer landesweiten Statistik gehört. Wie die aktuelle "Wohnungsabgangsquote" des Statistische Landesamt ausweist, hat der Kreis im vergangenen Jahr mehr als ein Zehntel seines Wohnungsbestands entweder abgerissen oder anderweitig genutzt. Damit ist die hiesige Wohnungsabgangsquote mit 11,1 Prozent fast doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt (5,8 Prozent). Zum Vergleich: Die Nachbarstadt Düsseldorf kommt auf eine Quote von 2,2 Prozent.

Keine Plattenbauten mehr

"Der Rückbau ist für uns enorm wichtig", sagt Frank Lubig, Vorstandschef des Neusser Bauvereins. Denn die Stadt Neuss hat sich zum Ziel gesetzt, sich von großen Plattenbauten zu verabschieden, und stattdessen kleinteilig neu zu bauen. Ziel sei, so Lubig, eine "höhere städtebauliche Qualität". Hochhäuser sollen künftig nicht mehr das Stadtbild prägen, zumal viele dieser Bauten einerseits veraltet und andererseits soziale Brennpunkte sind. Ziel sind moderne Ein- und Mehrfamilienhäuser, die Objekte ersetzen, die teils aus den 60er Jahren stammen.

Die Vielzahl an Projekten, die es in Neuss derzeit gibt, zeigt eine andere aktuelle Statistik des Amts für Wirtschaftsförderung. Demnach ist die Zahl der Baugenehmigungen für Wohngebäude sprunghaft gestiegen, im Vergleich zum Vorjahr um knapp 75 Prozent auf 318 Genehmigungen. Daran hat nicht nur der Bauverein Anteil, sondern auch diverse Neubauprojekte, etwa in Allerheiligen oder am Marianum, die für die städtischen Statistiker Zeichen einer Trendwende im Baugeschäft sind.

Ein Großteil der Baugenehmigungen wurde 2011 für Ein- und Zweifamilienhäuser ausgestellt, 300 Genehmigungen wurden ausgesprochen, ein Plus von knapp 90 Prozent im Vorjahresvergleich. Den Trend, nicht mehr in die Höhe zu bauen, zeigt die Zahl der Bauanträge für den Mehrgeschosswohnungsbau, die um 25 Prozent auf 18 gesunken sind. Im Langzeitvergleich zeigt die Statistik, dass es während der Wirtschaftskrise einen starken Einbruch bei den Baugenehmigungen gegeben hat — 2008 hatte es rund 280 Baugenehmigungen gegeben, eine Zahl, die sich ein Jahr später mehr als halbierte. Jetzt wird wieder investiert — die Zahl der Baugenehmigungen liegt mit 318 noch über dem Vorkrisenniveau.

(NGZ)
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