Neuss: Wohnkonzept "Südliche Furth" geht auf

Neuss : Wohnkonzept "Südliche Furth" geht auf

Am 29. April 2008 wurde das Mehrgenerationenhaus "Südliche Furth" offiziell von Ursula von der Leyen, damals noch Familienministerin, eröffnet. Auch heute spricht Frank Lubig vom Bauverein immer noch von einem "Vorzeigeobjekt".

Siegfried Neuenhausen-Brems und seine Frau Angelika Brems genießen nach dem Mittagessen ihren Kaffee in der Sonne. Fast jeden Tag macht sich das Ehepaar aus Holzheim auf den Weg an die Wingender Straße zum Treff 20 der Diakonie, dem Nachbarschaftstreff des Quartiers "Südliche Furth". "Bis vor wenigen Monaten haben wir hier noch gewohnt, gehörten mit zu den ersten, die eingezogen sind", sagt der 54-jährige Frührentner und: "Wäre nicht mein Schwiegervater gestorben, dann würden wir heute noch hier leben." Nun lebt das Ehepaar auf dem elterlichen Bauernhof in Holzheim. Dort kann sich Siegfried Neuenhausen-Brems auch um seine Hühner kümmern, deren "Bio-Eier" er im Quartier verkauft.

Doch er ist auch einer der 30 Ehrenamtlichen, die dafür sorgen, dass das Konzept des Viertels, das Miteinanderleben von Jung und Alt, von Gesunden und Pflegebedürftigen unterschiedlicher Nationalitäten funktioniert. Das tun auch Daniela Wothe und ihre Kollegin Daniela Krauskopf von der Diakonie Neuss, die den "Treff 20" leiten. Dort gibt es nicht nur von dienstags bis freitags ein preiswertes Mittagessen, dort gibt es täglich Angebote für die Bewohner, vom internationalen Frauenfrühstück über Hausaufgabenbetreuung bis hin zur kostenlosen Rechtsberatung oder einem Zumba-Kursus. Daneben werden im Laufe des Jahres viele Feste organisiert, zu denen auch Gäste kommen können, die nicht im Quartier wohnen.

Frank Lubig bezeichnet die Atmosphäre wie die in einem Feriendorf. Der Vorstandsvorsitzende des Neusser Bauvereins, der auf dem 28 000 Quadratmeter großen Grundstück des ehemaligen Containerbahnhofs dieses Quartier mit einem Finanzvolumen von 37 Millionen Euro errichtet hat, spricht auch nach fünf Jahren noch von einem Vorzeigeobjekt, das mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde, unter anderem dem "Bauherrenpreis" und dem "Landespreis für Architektur". "Das Konzept würde ich an dieser Stelle immer wieder so umsetzen", sagt Lubig. An andere aber eben nicht. Als Beispiel nennt er das Projekt des Bauvereins in Weckhoven an der Hülchrather Straße. Auf dem 2,4 Hektar großen Areal, sollen 30 Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser mit 134 Wohnungen entstehen. Lubig plädiert für diesen Mix aus öffentlich gefördertem und frei finanziertem Wohnraum sowie Bauträgerschaft. "Das schafft eine große Stabilität in der Struktur", ist sich der Bauvereinsvorstand sicher.

255 Wohnungen, alle öffentlich gefördert, mit rund 600 Einwohnern, darunter fast 200 Kinder, 20 unterschiedliche Nationen — das ist die Südliche Furth und das benötigt laut Frank Lubig eine intensive soziale Moderation. "Mit unserem Partner, der Diakonie Neuss, bekommen wir das hervorragend hin", ist er überzeugt.

Und schließlich gibt es ja noch die Ehrenamtlichen, wie Siegfried Neuenhausen-Brems.

(NGZ)
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