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Neuss: Wo Mütter Müttern helfen

Neuss : Wo Mütter Müttern helfen

Wie frei kann ein Kleinkind schon spielen? Wie entstehen schon früh soziale Kontakte? Wie pflege ich ein Baby richtig? Solche Fragen beantworten sich Mütter gegenseitig bei einem Kursus des Edith-Stein-Familienforums.

Fröhlich krabbeln und tapsen die Kleinkinder über Spielmatten, Kissen und allerlei Kletterkonstruktionen. Mütter trinken entspannt Kaffee oder Tee und tauschen sich über die Erfahrungen ihres neuen Mutterdaseins aus. Fragen aller Art werden diskutiert und Tipps und Tricks ausgetauscht. Die Kinder können sich frei bewegen, neues Spielzeug entdecken und spielerisch Kontakt zu anderen Kindern aufbauen.

Der Kursus des Edith-Stein-Familienforums in Kooperation mit der Caritas-Beratungsstelle Esperanza "Babynest — Leichter Start mit Kind" bietet diesen Treff für frisch gebackene Eltern in besonderen Lebenslagen einmal in der Woche an. Gruppen von bis zu zehn Müttern und Vätern, die zum Teil unter erschwerten Bedingungen Eltern geworden sind, etwa weil sie zur Zeit der Geburt des Sprösslings noch sehr junge waren, können sich Ratschläge bei anderen Eltern holen, die in einer ähnlichen Situation wie sie selber sind.

"In einem geschützten Rahmen möchten wir, dass Mütter und Väter sich austauschen können und Netzwerke bilden", sagt Silvia Blume-Bernhardt, Leiterin des Kurses. Sie ist gelernte Krankenschwester und Geburtsvorbereiterin und gibt seit zwei Jahren den Kursus im Edith-Stein-Haus. Der Kursus orientiert sich an der Pädagogik der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler. So sollen Mütter und Väter ihr Kind durch gemeinsame Spiele neu kennenlernen und üben, die Kinder frei spielen zu lassen — beschützend, aber ohne sie einzuengen.

Auch Nariye besucht mit ihrer ein Jahr alten Tochter Melis den besonderen Kursus: "Melis ist Einzelkind und ich kenne nicht so viele Leute mit kleinen Kindern. Ich wollte, dass meine Tochter und ich sozialen Anschluss finden", sagt die 30-Jährige. Melis spiele sehr gerne mit den anderen Kindern. Außerdem konnten die anderen Mütter ihr schon gute Tipps geben, zum Beispiel als bei Melis die ersten Zähne kamen. "Es geht hier auch um ganz praktische Sachen: Gesundes Kochen, Pflege oder Organisation des Alltags", sagt Blume-Bernhardt. "So hatten wir auch schon Besuch einer Zahnärztin oder waren auf dem Kinderbauernhof. Dadurch wächst die Gruppe zusammen und Vertrauen wird aufgebaut, um auch unangenehme Probleme ansprechen zu können."

Kursteilnehmerin Ulrike ist noch einmal, nachdem sie schon zwei Söhne großgezogen hat, Mutter von Louisa-Marie, neun Monate alt, geworden. Sie besucht den Kursus des Edith-Stein-Familienforums, seit ihre Tochter sieben Wochen alt war. "Ich habe neue Freundinnen gefunden und wir treffen uns auch privat, außerhalb des Kurses", sagt die 42-Jährige.

(NGZ/rl)