Neuss: Wo es Gold auf vier Rädern gibt

Neuss: Wo es Gold auf vier Rädern gibt

Möglichst stylish, selten und vor allem original - darauf kommt es den Oldtimer-Experten von "Matching Numbers" an.

Wenn im Zusammenhang mit dem Begriff "Matching Numbers" von alten Autos, Lastwagen, Motorrädern oder Lokomobilen die Rede ist, bekommen Oldtimerfreunde glänzende Augen. Denn "Matching Numbers" lautet das Zauberwort, mit dem die Fachwelt Oldies bezeichnet, die auch nach Jahrzehnten so präsentiert werden, als kämen sie gerade aus dem Werk. Bei denen beispielsweise Motor, Getriebe, Fahrgestell noch original sind. "Matching Numbers" ist als Maßstab für Perfektion daher ein hoch gehängter Anspruch. Da wundert es nicht, dass Investoren um Geschäftsführer Steve Kaminski dem 2015 an der Industriestraße gegründeten Unternehmen für klassische Automobile diesen Namen gegeben haben.

Im etwa 450 Quadratmeter großen Ausstellungsraum am Zollhafen sind Juwelen klassischer Automobile zu finden. Ein unrestaurierter Porsche 356 PreA Continental-Cabrio, Baujahr 1955. Mit großartiger Patina - eines von 69 Modellen, die seinerzeit in die USA geliefert wurden. Ein amerikanischer Soldat nahm ihn mit nach Deutschland. Heutiger Wert - etwa 450.000 Euro. Manch einer mag sich noch an Messerschmidt-Kabinenroller erinnern. Am Zollhafen steht einer - ein KR 200 von 1957. Kaminski schätzt den Wert auf etwa 46.000 Euro. Zu sehen sind auch jüngere Klassiker wie ein ladenneuer BMW 628 CSi. Viersitzer-Ferrari, Maserati und jede Menge Porsche-Modelle komplettieren das Angebot. Bis hin zu Schätzchen wie Artega-Sportwagen oder AMG SL-Mercedes und Porsche Spyder 981, beide von sechsstelligem Wert. Manches Auto hat auch eine Geschichte zu erzählen. Etwa ein Jaguar Roadster XK 120 OTS, mit der Start-Nummer 259 Teilnehmer an der berühmten Mille Miglia. Die Frau des Sammlers wollte das Auto nach dessen Tod erst zur Erinnerung behalten. In einer Dependance steht eine besonders kultige Karosse: eine Bentley-Limousine, bunt bemalt vom Düsseldorfer Künstler Markus Tollmann. Oder die Rohkarosse eines Veritas-Formel-2-Rennwagens. Eine von drei überhaupt noch existierenden Originalen.

"Wir haben eigene Fahrzeuge im Pool, Grundlage unseres Geschäftes ist aber das Online-Kommissionsgeschäft", so Kaminski. "Wir kaufen und verkaufen für ausgewählte Kunden in aller Welt Oldtimer. Daraus hat sich ergeben, dass wir in Zusammenarbeit mit Fachwerkstätten auch alle Arbeiten rund um die alten Schätzchen anbieten. Dazu gehören Aufbereitung und Lackierung, Reparaturen an Karosserie und Motor bis hin zum Wertgutachten beim fertigen Modell." Mit dem Unternehmen am Zollhafen ist der 38-jährige, ehemalige Sachverständige mit Leidenschaft für alte Autos, in das Automobilgeschäft eingestiegen und hat mit Dennis Zweigle und Daniel Elstrod zwei versierte Mechaniker an der Hand. Wichtig: Die sich auch noch mit alten Autos auskennen. Als Kfz-Werkstatt kümmert sich "Matching Numbers" aber auch um Alltags-Automobile.

(NGZ)