Wirtschaftsforum in der Sparkasse Neuss über künstliche Intelligenz

Wirtschaftsforum in der Sparkasse Neuss: Kann Intelligenz künstlich sein?

Zu einer spannenden Vortragsveranstaltung in der Sparkasse Neuss hatte das Amt für Wirtschaftsförderung Christian Katzenbach von der Freien Universität Berlin eingeladen. Am Ende blieben jedoch einige Fragen offen.

Das ist eine verkehrte Welt der Wissenschaft, wenn Fragen sich als Antworten gerieren und wenn umgekehrt wieder alles auf den Prüfstand kommt. Der junge Kommunikations- und Medienwissenschaftler Christian Katzenbach aus Berlin schlug mit rhetorisch-didaktischer Brillanz eine Schneise in dieses auf größtes Interesse stoßende Wissensgebiet.

Nicht weniger als eine komplette Neuorganisation der Gesellschaft sei zu erwarten, kündigten unisono Gastgeber Volker Gärtner von der Sparkasse Neuss und Einladender Andreas Galland, Leiter des Amts für Wirtschaftsförderung, an. Stehen also große Chancen oder drohende Gefahren ins Haus?

Umstritten ist vieles, und dabei zieht die Karawane des totalen Umkrempelns unserer Welt und Umwelt schon längst ihren unbeirrten Weg. Allein schon bei den Begriffen liegen sich die Wissenschaftler in den Haaren. Bei der künstlichen Intelligenz (KI) setzt Katzenbach anfangs sein definitorisches Ausrufezeichen. Sie sei keine Nachahmung menschlicher Intelligenz, sondern automatisiere Funktionen und Handlungsfolgen. Nicht autonom könnten jetzt und in weit absehbarer Zukunft die Roboter handeln, sondern immer nur in kontrollierter menschlicher Überwachung. Maschinen werden also konstruiert, trainiert und dann erst eingesetzt.

Das große Plus der Computerisierung ist und bleibt einfach die unglaubliche Schnelligkeit der Datenverarbeitung. Im selben Atemzug türmt sich aber zugleich die Informationsfülle bei den ganz Großen der Branche wie beispielsweise bei Google, Facebook und Amazon auf. Sind dabei nicht dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet? Ballt sich da nicht Macht in den Händen einiger weniger? Das sind beängstigende Fragen, die sich nicht von selbst beantworten. Zum Positiven wendet Katzenbach die Trends, dass komplexe soziale Phänomene in berechenbare Abläufe übersetzt werden können.

„Technik ist einfach“, bekundet der Wissenschaftler entwaffnend. Es komme darauf an, die geeigneten Algorithmen ausfindig zu machen und „als die jeweils funktional beste Lösung, nach welchen Kriterien auch immer, Verhältnisse sozial, politisch und ökonomisch zu etablieren“.

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An dieser Frage manifestiere sich unübersehbar, wie Menschen in Zukunft miteinander leben werden. Der Weg zum grundlegenden Wandel, Stichwort: digitale Transformation, werde längst beschritten.

Wenn gefragt würde, wie das zukünftige Leben auf der Erde gemeistert werde, seien auch Entscheidungen ethischer Art fällig. Gesellschaftliche Strukturen, so der Professor, etablierten sich auf mehreren Ebenen: „Je selbstverständlicher, umso stabiler und wirksamer sind sie.“

So behält es der Mensch (noch?) selbst in der Hand, lautet die tröstliche Botschaft des Abends in der vollbesetzten großen Veranstaltungshalle. Inmitten der teils unmerklich ablaufenden digitalen Transformation ganzer Volkswirtschaften bleibe, davon ist Christian Katzenbach überzeugt, eine verträgliche gesellschaftliche Gestaltung möglich.

Die grausigsten Science-Fiction-Szenarien der Fremdbestimmung durch Roboter müssen sich keineswegs realisieren, wenn die richtigen Entscheidungen getroffen werden. Doch dieses bange „Wenn“ bleibt erhalten.

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