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Wirtschaft in Neuss: Paul Welfens schreibt Buch über Donald Trump

Wirtschaft im Rhein-Kreis Neuss : Trump global und die Folgen

Der in Neuss lebende Wirtschaftsprofessor Paul J.J. Welfens analysiert in seinem neuen Buch die Politik Donald Trumps.

Es gibt ein Bild, das derzeit durch die Sozialen Medien geistert und die sich bang hinter ihrem Sockel versteckende Freiheitsstatue zeigt. Zaghaft fragt sie: „Isser weg?“ – gemeint ist US-Präsident Donald Trump. Ein bisschen spiegelt das auch die Haltung vieler westlicher Staatsoberhäupter wider, denn in den vier Jahren Amtszeit hat Trump im transatlantischen Miteinander viel Porzellan zerdeppert. Das birgt Gefahren für die politische Stabilität und den wirtschaftlichen Wohlstand. Der in Neuss lebende Wirtschaftswissenschaftler Paul J.J. Welfens, Präsident des Europäischen Instituts für Internationale Wirtschaftsbeziehungen (EIIW) an der Universität Wuppertal, beleuchtet Ursachen und Folgen des US-Populismus („Trumpismus“) in seinem neuen Buch „Trump global – struktureller US-Populismus und Wirtschaftskonflikte mit Europa und Asien“.

Welfens geht den Wurzeln für den Erfolg des Trump’schen Populismus und der durch wirtschaftliche Fehlentwicklungen wachsenden Polarisierung in den USA auf den Grund. Die Polarisierung geht auf knallharte Einkommensungleichheit zurück. Welfens zeigt, dass sie in den vergangenen vier Jahrzehnten drastisch zugenommen hat und seit 1981 gewachsen ist. Und er beleuchtet, weshalb es sich bei der Präsidentschaft Trumps um ein strukturelles Problem handelt.

Zugleich zeigt Welfens die Konsequenzen für Deutschland, die Europäische Union und Asien auf. Dazu liefert er bislang unbekannte Zahlen – zum Beispiel zum effektiven Pro-Kopf-Lebenszeiteinkommen, das in Deutschland und Frankreich ebenso hoch wie in den USA ist. Auch die Schwächen des US-Gesundheitssystems nimmt er in den Blick. Dabei geht es nicht nur um Corona, sondern auch um höhere Säuglingssterblichkeit und die niedrigere Lebenserwartung der US-amerikanischen Bevölkerung.

International hat Trumps Wirtschaftspolitik die Stabilität des Westens und die Weltwirtschaft gefährdet. Welfens ist überzeugt: „Wir müssen die Soziale Marktwirtschaft Deutschlands und anderer EU-Länder stärker betonen und exportieren.“ Der Volkswirt zeigt, wo die europäischen Länder den USA helfen könnten, Stabilität wieder herzustellen.

Die USA sind – auch befeuert durch Trump – im Innern politisch so zerrissen, dass sie ihre Führungsrolle in der Welt nicht mehr wahrnehmen. Das alles hat Auswirkungen. Es gilt, ein neues Miteinander zu finden. „Wir brauchen einen transatlantischen Reformdialog, der auch die Gestaltung des 21. Jahrhunderts in den Blick nimmt“, erklärt Welfens. Und die Gestaltung des 21. Jahrhunderts geht nicht ohne China beziehungsweise die asiatischen Länder. Das ist eine Herausforderung – auch, weil die USA gegenüber China auch in Zukunft robuster auftreten als noch unter dem früheren US-Präsidenten Barack Obama.

Natürlich weckt Joe Biden in der alten Welt Hoffnung. Im Gespräch lenkt Welfens den Blick darauf, was ein Ende der Trump-Präsidentschaft für die EU bedeuten würde. „Auch Joe Biden würde nicht als großer Freihändler auftreten“, sagt er. Aber er sieht fünf wesentliche Vorteile. Erstens: Die Position der EU in den Brexit-Verhandlungen mit Großbritannien würde gestärkt. Zweitens: Die Welthandelsorganisation würde erstarken. „Die Rückkehr zu einem regelbasierten globalen Handelssystem wird allen Ländern der Welt beim Wirtschaftsaufschwung helfen und erst recht den führenden Exportländern“, erklärt Welfens. Drittens: Unter Biden dürften die staatlichen Defizitquoten in den USA sinken, auch wegen höherer Steuern für Top-Verdiener. Viertens: eine Rückkehr der USA zum Pariser Klimaabkommen. Fünftens: Der Amtsnachfolger von Angela Merkel, der 2021 gewählt wird, könnte mit Joe Biden einen transatlantischen Neuanfang starten.