Wirtschaft im Rhein-Kreis Neuss: Fachkräftemangel bremst Wachstum

Wirtschaft im Rhein-Kreis Neuss : Fachkräftemangel bremst Wachstum

Laut der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage ist die Wirtschaft in der Region mit den Geschäften sehr zufrieden. Allerdings sorgt der Fachkräftemangel für Sorge bei den Unternehmen. Zudem drohen Risiken aus dem Ausland.

Die Wirtschaft in der Region befindet sich zwar in einer sehr guten Lage. Das geht aus der gemeinsamen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern Mittlerer Niederrhein und Düsseldorf hervor, die jetzt vorgelegt wurde und Bilanz zum Spätsommer 2018 zieht. Allerdings waren die Unternehmen im Frühjahr zufriedener. Und: Immer mehr Firmen – inzwischen sind es rund 46 Prozent der Betriebe, die sich an der Umfrage beteiligt haben – sehen im Fachkräftemangel ein Risiko für die weitere Entwicklung. Das deckt sich mit den Ergebnissen des kürzlich vorgelegten IHK-Bildungsberichts. Demnach fehlen in diesem Jahr am Mittleren Niederrhein rund 16.000 Fachkräfte, bis 2021 könnten es bereits 39.000 sein. Ausbildung, der Wettstreit um junge Menschen und Talentförderung spielen daher eine wichtige Rolle. Jobs und Karriereperspektiven sind schließlich da.

Für die Wirtschaft am Mittleren Niederrhein und in Düsseldorf gilt: Sie pendelt zwischen Boom und weltwirtschaftlichen Risiken. Fast 800 Unternehmen mit rund 92.000 Beschäftigten haben an der Konjunkturumfrage der beiden IHKs teilgenommen und dies bekräftigt. Im Rhein-Kreis bezeichnen demnach 49,7 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 41,1 Prozent sehen sie als befriedigend an, 9,2 Prozent bezeichnen sie als schlecht. Mit dieser Bewertung liegt der Rhein-Kreis laut IHK leicht oberhalb des Niveaus in der Gesamtregion Mittlerer Niederrhein und Düsseldorf. Allerdings ist die Nachfrage zuletzt weniger dynamisch gewachsen als noch zum Jahreswechsel 2017/18. Die Konjunktur wird derzeit eher von einer weiter steigenden Binnennachfrage als von der – allerdings auf hohem Niveau verharrenden – Exportnachfrage gestützt.

Besonders bestimmte Branchen profitieren von der guten Konjunktur. „Die Bauwirtschaft verzeichnet einen Superlativ nach dem anderen“, betont Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Die Industrie habe sich annähernd auf ihrem Zehn-Jahres-Hoch halten können. „Eine nachlassende Dynamik der Auftrittseingänge könnte aber ein Zeichen dafür sein, dass die Branche ihren Konjunkturhöhepunkt in diesem Sommer überschritten hat.“ Im Großhandel befinde sich die auf Produktionsbetriebe ausgestattete Sparte in einer noch besseren Geschäftslage als die konsumorientierte. Diese gebe sich jedoch für 2019 aufgrund der guten binnenwirtschaftlichen Perspektive optimistischer. Auch die Einzelhändler sind zufriedener mit ihren Geschäften. Schlecht ist das Klima hingegen im Kfz-Handel. Dort sei die Verunsicherung und damit einhergehende Zurückhaltung der Kunden spürbar.

Wirtschaftspolitische Belastungen wie höhere Sozialversicherungssätze oder drohende Dieselfahrverbote stoppen die gute Binnenkonjunktur derzeit laut IHK-Umfrage offenbar aber nicht. Mit Sorge allerdings blicken die Unternehmen auf den aufziehenden Handelskrieg zwischen der USA und China, die Strafzölle der USA auf europäische Produkte, den Brexit, die wirtschaftliche Entwicklung in der Türkei, die Sanktionen gegen Russland und Iran sowie auf die italienische Schuldenpolitik. „Es ist sicher zu früh, Alarm zu schlagen. Doch die Unsicherheit wächst“, erklärt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf.

Der Fachkräftemangel aber droht inzwischen, zur Wachstumsbremse zu werden. Die IHK hält mit Schulungsmaßnahmen sowie der Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen dagegen und wirbt für die duale Ausbildung.

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