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Wirtschaft im Rhein-Kreis Neuss: Corona-Folgen erst 2022 überwunden

Corona-Folgen im Rhein-Kreis Neuss : Prognose der IHK – Krise erst 2022 überwunden

Die Corona-Pandemie hat ein goldenes Jahrzehnt für die Wirtschaft in der Region beendet. Laut IHK-Konjunkturumfrage stellt sich zwar wieder Erholung ein und es geht aufwärts. Aber es ist Geduld gefragt, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht ist.

Die Botschaft ist auch ein Mutmacher: Es kommt wohl nicht so schlimm wie noch im Frühjahr und Frühsommer befürchtet. Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Düsseldorf, ist es, der diesen Satz spricht – und es ist einer von mehreren Ausblicken, die auch angesichts steigender Corona-Infektionszahlen und der damit verbundenen Unwägbarkeiten etwas Optimismus versprühen. Zusammen mit seinem Kollegen Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, stellt Berghausen am Dienstagmittag die Zahlen der jüngsten Konjunkturumfrage für die Region vor. Und da gilt: Corona hat zwar das „goldene Jahrzehnt“, aus dem die Wirtschaft nach der Krise 2008/09 kam, abrupt beendet. Aber der Blick nach vorne enthält auch Licht. „Weder die Corona-Pandemie noch die dadurch ausgelöste Wirtschaftskrise sind seit Spätsommer 2020 bereits überwunden. Wirtschaftlich zeigen sich aber seit der Jahresmitte deutliche Erholungstendenzen“, betont Steinmetz.

Die Frage ist, wie lange die Reha dauert und wie sich das Virus weiter auswirkt. Klar ist, dass die Unternehmen sich auf eine längere Erholungsphase einstellen. Voraussichtlich werde es vor 2022 nicht gelingen, wieder an das Vorkrisenniveau anzuknüpfen. Das ist eine zentrale Erkenntnis der Konjunkturumfrage der beiden IHKs. Die Lage im Rhein-Kreis Neuss ist ähnlich wie in den beiden Kammerbezirken insgesamt. An der Umfrage haben sich rund 850 Betriebe mit insgesamt 82.500 Beschäftigten beteiligt, darunter 150 Unternehmen aus dem Rhein-Kreis Neuss. Zwar wurden sie in der zweiten Septemberhälfte und damit noch vor der drastischen Zunahme der Corona-Infektionen samt verschärfter Maßnahmen befragt. „Aber die Unternehmen haben länger anhaltende Schwierigkeiten befürchtet und daher mit eingeplant“, sagt Steinmetz. Es gelte jedoch, einen erneuten, flächendeckenden Lockdown zu verhindern. „Gelingt dies, dann sollte sich die allmähliche Aufwärtsbewegung weiter fortsetzen können.“

Einzelne Branchen sind von den jetzt verschärften Maßnahmen besonders betroffen. Und es sind vor allem die, die ohnehin schon sehr hart mit den Corona-Folgen zu kämpfen haben: die Gastronomie, die Freizeit- und Eventbranche, der Tourismus. Ihnen ist es kaum möglich, ihre Geschäftsmodelle wirtschaftlich aufrecht zu erhalten. Unterm Strich gilt: Alle Branchen, die verstärkt von sozialen Kontakten leben, hat es besonders hart erwischt.

In Gänze allerdings hat sich die Stimmung trotz aller Sorgenfalten zumindest leicht aufgehellt. Laut Konjunkturumfrage geht die Wirtschaft in der Region davon aus, dass die Umsatzeinbrüche für 2020 nicht so stark zu Buche schlagen wie noch im April befürchtet. Im Rhein-Kreis Neuss melden mit aktuell 22 Prozent auch wieder etwas mehr Betriebe als noch zur Jahresmitte eine gute Geschäftslage, allerdings bewerten 31 Prozent sie weiterhin als schlecht. Der sogenannte Lageindikator – also die Differenz von Gut- und Schlecht-Meldungen – ist damit zwar weiterhin im negativen Bereich. Aber er ist besser als im Sommer.

Das alles sind kleine Schritte in Richtung bessere Zeiten in der Region. „Dennoch ist die aktuelle Wirtschaftslage alles andere als befriedigend“, erklärt Berghausen. Das zeigt sich auch mit Blick auf die Zukunft: Im Juni war noch fast jeder dritte Betrieb davon ausgegangen, bereits zum Jahresende wieder sein Vorkrisenniveau erreicht zu haben. Jetzt sind es nur noch 20 Prozent. Im Rhein-Kreis Neuss rechnen sogar rund 32 Prozent der Befragten, dass eine Rückkehr zur Normalität erst 2022 möglich sein wird.

Neben Corona lauern weitere Herausforderungen. „Etwa das Problem stationärer Handel gegen Onlinehandel und die strukturelle Krise der Automobilbranche“, erklärt Steinmetz. Hinzu kommen internationale Wirtschaftskonflikte und der wohl harte Brexit.