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Wirtschaft drängt auf Rheinbrücke zwischen den Häfen Neuss und Düsseldorf

Häfen Neuss und Düsseldorf : Wirtschaft drängt auf neue Rheinbrücke

Die vor fast einem Jahr von der IHK ins Spiel gebrachte Idee einer neuen Brücke zwischen den Häfen findet mit dem Verein „Logistikregion Rheinland“ einen entschiedenen Fürsprecher. Die Nachbarstädte sollen endlich planen.

Als Computergrafik ist die neue Rheinbrücke längst fertig. Parallel zur Hammer Eisenbahnbrücke soll das Bauwerk nach den Vorstellungen der IHK Düsseldorf als Straßenbrücke gebaut werden und für eine kurze Verbindung zwischen den beiden Hafen-Standorten sorgen. Es wäre Rheinbrücke Nummer acht zwischen den Nachbarstädten Neuss und Düsseldorf – und mindestens eine ist außerdem noch projektiert.

Die Idee der Brücke ist fast ein Jahr alt, jetzt will der Verein „Logistikregion Rheinland“ das Projekt forcieren. In einem Brief fordert der Verein Bürgermeister Reiner Breuer und seinen Düsseldorfer Amtskollegen Thomas Geisel dazu auf, dass beide Städte nun auch mit den Planungen beginnen. Die von der Neusser FDP schon 2019 ins Spiel gebrachte Idee, die Eisenbahnbrücke weiter zu ertüchtigen und um eine Straßenfahrbahn zu ergänzen, spielt dabei aber offensichtlich keine Rolle mehr. „Die Wirtschaft schaut mit Sorge auf den Zustand der Rheinbrücken“, betont Markus Walke, Vorsitzender des Vereins und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Spedition DSV. „Bereits heute entstehen durch Sperrungen beziehungsweise Nutzungseinschränkungen der Rheinbrücken im Rheinland erhebliche Kosten“, sagt er mit Blick auf die für Lastwagen gesperrte Rheinbrücke bei Leverkusen oder die noch bis 2024 nur eingeschränkt nutzbare Fleher Brücke.“

Die Erreichbarkeit als einer der wichtigsten Standortfaktoren für die Betriebe sei erheblich gefährdet, so Walke. Aus Sicht des Vereins drohen durch Umweltauflagen oder Verkehrsplanung aber weitere Einschränkungen auf den Straßen. Dass die weiter steigenden Güterbewegungen über die Seehäfen auf dem vorhandenen Straßennetz bewältigt werden könnten, sei kaum vorstellbar. „Wenn wir die Verfügbarkeit von Rohstoffen, Vorprodukten und Handelswaren sichern wollen, müssen wir Kapazitäten schaffen“, erklärt Wolfgang Baumeister, Geschäftsführer des Vereins. „Die vorhandenen Straßen- und Schienennetze reichen schon mittelfristig nicht mehr aus. Verlagerungen von der Straße auf die Schiene sind kaum möglich.“ Gleichzeitig verweist Baumeister auf die Potenziale, die eine verbesserte Kombination der Verkehrsträger zur Bewältigung des Güteraufkommens noch bieten.

„Eine neue Verbindungsbrücke zwischen den Hafenstandorten Neuss und Düsseldorf passt hervorragend in die Zeit. Wir müssen die Erreichbarkeit der Hubs verbessern. Solche Hubs sind unsere Binnenhäfen als Schnittstellen zwischen den Verkehrsträgern“, meint Walke.

Neben den Anforderungen der Wirtschaft an ein funktionierendes Wegenetz sind aber weitere Aspekte wichtig, zumal der Verein „Logistikregion Rheinland“ eine gewisse Exklusivität verlangt. Die weitergehende Idee, die Brücke auch für den Radverkehr oder sogar für Schienenfahrzeuge auszurüsten, kann nämlich nach Ansicht des Vereins nur umgesetzt werden, wenn dadurch der Schwerlastverkehr nicht beeinträchtigt wird. „Wir müssen daher genau analysieren, welche Verkehre da gelenkt werden sollen“, kündigt deshalb Bürgermeister Reiner Breuer an, der dazu auch gerne die Ansicht der Häfen hören will. In dieser Angelegenheit werde er demnächst auch Gespräche mit der IHK führen. An seiner insgesamt positiven Haltung lässt Breuer keinen Zweifel: „Ich bin immer für Brückenschläge“.

Das belegt auch das interkommunale Vorhaben, an der Hafenausfahrt zum Rhein eine zweite Hubbrücke für Eisenbahn- und Radverkehr zu bauen.