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Gute Nachrichten: Wirtschaft am Wendepunkt

Gute Nachrichten : Wirtschaft am Wendepunkt

Gute Nachrichten aus dem "IHK-Konjunkturbericht – Spätsommer 2009": Der tiefste Punkt in der Wirtschafts- und Finanzkrise scheint erreicht, die Stimmung ist "verhalten optimistisch". Die Prognosen für den Arbeitsmarkt allerdings sehen düster aus.

Gute Nachrichten aus dem "IHK-Konjunkturbericht — Spätsommer 2009": Der tiefste Punkt in der Wirtschafts- und Finanzkrise scheint erreicht, die Stimmung ist "verhalten optimistisch". Die Prognosen für den Arbeitsmarkt allerdings sehen düster aus.

rhein-kreis neuss Im Lager der Peter Cames GmbH & Co. KG an der Moselstraße in Neuss ist die Wirtschaftskrise noch nicht angekommen. Unzählige Karren, gekennzeichnet mit gelben Zetteln, stehen dort abholbereit, Mitarbeiter des Lebensmittel-Großhandels wuseln durch die Halle und der Gesichtsausdruck von Geschäftsführer Michael Cames (33) ist ziemlich entspannt. "Im vergangenen Jahr hat es keine großen Zuwächse gegeben, aber auch keine Rückgänge", sagt Cames. Was jetzt noch kommt, könne er nicht beurteilen, dafür bräuchte er eine Glaskugel.

Hellseherische Fähigkeiten haben zwar auch Dr. Dieter Porschen und Dr. Udo Siepmann, Geschäftsführer der IHKs Mittlerer Niederrhein und Düsseldorf, nicht, doch die Nettobotschaft, die sie aus dem "IHK-Konjunkturbericht — Spätsommer 2009" ziehen, lautet: "Für das kommende Jahr ist die regionale Wirtschaft verhalten optimistisch". Und der Nahrungsmittel-Großhandel steht mit einem Geschäftsklimaindex von 105,5 an zweiter Stelle bei den hoffnungsfrohen Wirtschaftszweigen.

Insgesamt haben die beiden Kammern 1000 Betriebe mit zusammen 110 000 Beschäftigten nach der wirtschaftlichen Situation befragt. Die gute Nachricht ist: Der Wendepunkt scheint erreicht. Klar ist auch: Es gibt keinen Grund zu jubeln. "Wir haben einen ersten Schritt aus dem Keller gemacht", sagt Siepmann — "das Erdgeschoss ist aber noch nicht erreicht".

Momentan bezeichnen über 40 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als schlecht, weniger als 14 Prozent als gut. Zu Jahresbeginn hatte dieses Verhältnis noch 30 zu 16 Prozent betragen. Allerdings haben die Betriebe für das Jahr 2009 auch eine Verschlechterung erwartet. Trotzdem ist der Geschäftsklimaindex, der gegenwärtige und künftige Einschätzungen zusammenfasst, von knapp 60 auf fast 90 Punkte gestiegen.

"Dies ist zwar der erste Anstieg seit zwei Jahren", sagt Porschen. Er beruhe aber ausschließlich auf den Hoffnungen, warnt der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Den Arbeitsmarkt könnte zudem die ganz dicke Keule noch treffen. Bisher war die Konsumnachfrage stabil, die Kurzarbeit hat eine Atempause möglich gemacht. Doch die Kurzarbeit könne bei den meisten Betrieben nur bis Jahresende oder spätestens Frühjahr Entlassungen verhindern. Jeder dritte Industriebetrieb und jeder vierte Händler gehe derzeit von weiterem Personalabbau aus. Lediglich bei den unternehmensorientierten Dienstleistern wird kein Beschäftigungsabbau erwartet.

Einzelhandel und Bauwirtschaft fürchten bereits jetzt, was im Fachjargon als "nachlaufende Indikatoren" bezeichnet wird: Arbeitsmarkt und Konsum sind am Ende der Kette zuletzt betroffen.

Ein schwacher Einzelhandel könnte letztlich auch das Geschäft des Lebensmittel-Großhandels Cames als Glied in der Lieferkette betreffen. Michael Cames lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil:Man beschäftigt sich mit Expansionsplänen.

"Vieles", sagt er, "hängt jetzt auch davon ab, was nach der Bundestagswahl passiert."

(RP)