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Neuss: Wirrwarr bei Versicherungen lichten

Neuss : Wirrwarr bei Versicherungen lichten

Frank Schrills, Präsident der Brancheninitiative Prozessoptimierung (BiPRO) und Neusser, spricht über den BiPRO-Tag in Neuss, bei dem es darum geht, einheitliche Standards für Versicherungen einzuführen. Die Veranstaltung ist eine der größten der Versicherungsbranche.

Sie stammen aus Holzheim, haben in Neuss gearbeitet und kehren durch den BiPRO-Tag nach Neuss zurück. Mit welchen Gefühlen?

Frank Schrills Zunächst bietet Neuss für die Tagung unseres bundesweit agierenden Vereins eine sehr gute Infrastruktur. Darüber hinaus freue ich mich darüber, dass die Veranstaltung in meiner Heimatstadt stattfindet. Heimspiele haben ja immer etwas Besonderes. Die Nähe zur RheinLand Versicherung, bei der ich ja gearbeitet habe, ist eine schöne Sache. Schließlich zählt der Neusser Versicherer zu den Initiatoren von BiPRO.

Was genau ist BiPRO?

Schrills BiPRO bedeutet Brancheninitiative Prozessoptimierung. Es handelt sich dabei um eine gemeinnützige Organisation für Standardisierung in der deutschen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsbranche. Im weitesten Sinne vergleichbar mit dem DIN, entwickelt BiPRO mit den Mitgliedern die für den Markt dringend benötigten fachlichen und technischen Prozess-Standards. Diese werden in praxisnahen Projekten entwickelt, die BiPRO koordiniert. Vereinfacht ausgedrückt legt ein BiPRO Standard fest, wie Daten und Informationen zwischen zum Beispiel Versicherer und Vermittler ausgetauscht werden, um das bestmögliche Ergebnis für die weitere Verarbeitung zu erzielen. Mittlerweile zählt der BiPRO rund 150 Mitglieder. Dazu zählen unter anderem fast alle großen Versicherungsgesellschaften und Vertriebe, IT-Dienstleister und Beratungsunternehmen.

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Was ist an der Prozessoptimierung interessant?

Schrills Die Frage, wie Geschäftsprozesse optimal abgewickelt werden können, spielt in der Branche eine zunehmend herausragende Rolle. Es geht etwa darum, wie die Beratung und der Abschluss von Versicherungsverträgen oder die Bearbeitung von Schäden optimal erfolgen können — und zwar im Einklang mit allen Beteiligten. Das heißt zwischen Versicherungsunternehmen, Vermittlern, Kunden, Gutachtern, staatlichen Stellen und vielen mehr. Hier herrscht in Teilen ein großes Durcheinander, dem nur mit einheitlichen Prozessen entgegen gewirkt werden kann. Vielleicht hört sich dies im ersten Moment unspektakulär an, birgt aber bei konsequenter Nutzung die Chance, Milliardenbeträge an Einsparpotenzial zu heben. Und das kommt allen zugute, auch den Versicherungskunden.

Will überhaupt jeder Marktteilnehmer eine Standardisierung der Prozesse?

Schrills Ist es wirklich eine Frage des Wollens? Vielmehr ist es doch eine Frage, wie lange sich Unternehmen den Verzicht auf Prozessoptimierung, den Verzicht auf den weitest gehenden Einsatz einheitlicher elektronischer Standards, leisten können. Ohne Prozessoptimierung werden die Kosten zunehmend aus dem Ruder laufen. Das kann für Unternehmen mittelfristig existenzbedrohend werden.

Wo hat es bei der Standardisierung zuletzt große Fortschritte gegeben?

Schrills Große Fortschritte gibt es vor allem bei der Implementierung von automatisierten Vertriebsprozessen. So zum Beispiel bei der elektronischen Übertragung von Angeboten und Anträgen zwischen Versicherern und Vertriebspartnern. Ein namhaftes Mitgliedsunternehmen hat uns jüngst berichtet, dass allein in deren Haus 25 000 Vorgänge gemäß BiPRO-Norm laufen - und zwar täglich. Wirft man den Blick auf den Markt, setzen bereits jetzt mehr als 70 Prozent der im BiPRO e.V. engagierten Versicherer mindestens eine, vielfach mehrere BiPRO-Normen ein.

... und hakt es noch?

Schrills BiPRO bedeutet Prozessoptimierung mit Hilfe innovativer Technik und exzellenter fachlicher Beschreibung. Das hat zur Folge, dass auch IT-Architekturen und IT-Systeme verändert werden müssen. Dies geht leider nicht von heute auf morgen, so dass eine vollständige Marktdurchdringung noch nicht gegeben sein kann.

Was sind die zentralen Themen des Neusser BiPRO-Tags?

Schrills Ein zentrales Thema ist die bereits oben erwähnte, beabsichtigte Zusammenarbeit mit dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Zudem wird die sogenannte BiPRO-Implementierungsoffensive 2011 vorgestellt. Hierbei geht es um den praktischen Einsatz von BiPRO-Normen im gesamten Markt. Wir werfen beim BiPRO-Tag zudem einen Blick auf eine Art Landkarte, die darstellt, wie Prozesse künftig zusammenhängen. Und wir werden mit "Apps und Co." das Trendthema "Mobile Prozesse" zur Sprache bringen.

Thilo Zimmermann führte das Gespräch.

(NGZ)