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Nicolas Krämer Und Dieter W. Welsink: "Wir machen die Patienten schneller fit"

Nicolas Krämer Und Dieter W. Welsink : "Wir machen die Patienten schneller fit"

Mitte der 1990er Jahre war es eine revoltierende Idee, ambulante Reha auch sektorübergreifend einzusetzen. Vor 20 Jahren traten Lukaskrankenhaus und medicoreha in Gespräche ein. In Neuss begann, was auch wieder im Koalitionsvertrag steht.

Herr Krämer, Herr Welsink, vor 20 Jahren begannen Verhandlungen zwischen dem Neusser Lukaskrankenhaus und der medicoreha, die letztlich in einem Kooperationsvertrag mündeten. Wer hatte die Idee?

Dieter Welsink Physiotherapeutische und rehabilitative Angebote sektorübergreifend einzusetzen, um Patienten schneller und besser fit zu machen, haben der Orthopäde Wolfgang Lemken, mein damaliger Geschäftspartner Dirk Stroda und ich ursprünglich mit Blick auf den Sport entwickelt und erfolgreich in der Handball-Bundesliga beim TSV Bayer Dormagen umgesetzt. Parallel suchten Chefarzt Honke Hermichen und Geschäftsführer Sigurd Rüsken für das "Lukas" innovative Partner. Da lag eine Zusammenarbeit nahe.

Nicolas Krämer Leistungen und Geschäftsbeziehungen sind niemals Selbstzweck, sondern wir als Krankenhaus haben immer das Wohl unserer Patienten im Auge. Da hatte das Trio um Herrn Welsink einen innovativen Ansatz der sektorübergreifenden Reha gefunden. In Neuss hat begonnen, was heute wieder - unter anderem im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung - gefordert wird.

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Welches finanzielle Volumen umfasst diese Kooperation?

Krämer Das gesamte Finanzvolumen liegt im Jahr bei etwa 800 000 Euro, wobei Zahlungen in beide Richtungen eingerechnet sind. Das reicht von der Miete für das Reha-Zentrum, das einst vom "Lukas" auf eigenem Gelände für zehn Millionen D-Mark errichtet wurde, bis zu den Entgelten für die medicoreha-Leistungen auf den Stationen. Für das "Lukas" handelt es sich im Großen und Ganzen um ein Nullsummenspiel. Wir wollen dort nicht primär Geld verdienen. Der Patient profitiert von kurzen Wegen.

Warum hat sich das "Lukas" immer wieder für medicoreha entschieden?

Krämer Wir haben einen Partner, der von den Krankenkassen als Reha-Einrichtung anerkannt ist und über hohe fachliche Kompetenz verfügt. Die Zusammenarbeit hat sich bewährt. Die räumliche Nähe ist ein weiterer Faktor.

Welsink Wir entwickeln uns als Reha-Unternehmen ständig weiter und schneiden unser Portfolio so zu, dass es gut zu den Anforderungen des Krankenhauses passt. Hohe fachliche Kompetenz ist uns wichtig. Die lassen wir regelmäßig extern überprüfen und uns bescheinigen.

Würde es nicht Sinn machen, wenn sich das "Lukas" an der medicoreha beteiligt?

Krämer Nein. Es gehört zur Philosophie des Lukaskrankenhauses, sich nicht an privaten Unternehmen zu beteiligen. Das wird es auch in Zukunft nicht geben. Einzige Ausnahme: Vor Jahren haben wir gemeinsam mit einem Partner die KSG, die Krankenhaus Service GmbH, gegründet, die im Kern unsere Reinigungsfirma ist.

Das "Lukas" als kommunales Unternehmen ist zu europaweiten Ausschreibungen verpflichtet. Wie halten Sie es damit?

Krämer Diese Verpflichtung gilt nur für bestimmte Bereiche. Sie gilt zum Beispiel nicht für Vermietungen. Zudem gibt es Wertgrenzen, die sich im Laufe der Jahre geändert haben. Ich persönlich stehe für Transparenz und nachvollziehbare Strukturen. So habe ich nach Amtsantritt als Kaufmännischer Geschäftsführer im Vorsommer mit einer namhaften Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ein Compliance-Projekt aufgesetzt. Im Oktober wurde zudem ein Projekt für den Einkauf von Waren und Dienstleistungen angeschoben.

Was bedeutet das für die Zusammenarbeit mit der medicoreha?

Krämer Es liegt ein juristisches Gutachten vor, das die Zusammenarbeit mit Ausschreibung und Ausgestaltung nicht beanstandet. Da sich Änderungen, zum Beispiel bei den Wertgrenzen, immer wieder ergeben, habe ich bereits im Winter des Vorjahres eine Düsseldorfer Großkanzlei beauftragt, die Geschäftsbeziehungen auf juristische Richtigkeit hin zu überprüfen. Wir sind überzeugt, dass in der Vergangenheit alles korrekt gelaufen ist.

Medicoreha, 1986 gegründet, ist mit zwölf Standorten stark expandiert. Kritiker meinen, Sie seien zu schnell gewachsen. Was entgegnen Sie?

Welsink Was als Neusser Modell erfolgreich war, wurde an andere Standorte in der Region übertragen. Das ist eine Erfolgsgeschichte. Darum: Wachstum ja, aber gut vorbereitet und das Risiko im Auge. Wir können unseren Kapitaldienst aus dem Cashflow bedienen und erhöhen beständig die Eigenkapitalquote. Wir schreiben schwarze Zahlen.

Wie fällt Ihre 20-Jahre-Bilanz aus?

Welsink Wir schreiben als TÜV-zertifiziertes Unternehmen mit unserem ambulanten Reha-Konzept eine Erfolgsgeschichte - sehr zum Gefallen der Renten- und Krankenversicherungen.

Krämer Die Zusammenarbeit des "Lukas" mit der medicoreha ist erprobt und hat sich bewährt - zum Wohle der Patienten.

LUDGER BATEN FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(NGZ)