Windrad in Neuss: Rotorblatt gebrochen - Experten rätseln über Ursache

Windpark Neuss: Experten rätseln über Ursache für gebrochenes Rotorblatt am Windrad

Bei einem Windrad in Neuss ist ein Rotorblatt gebrochen. Wie es zu dem Vorfall in 110 Metern Höhe kam, konnten Experten bisher noch nicht klären. Die Reparatur kann Monate dauern.

Weltweit hat der Auricher Anlagenbauer Enercon bislang 29.000 Windräder errichtet, eines dieser Kraftwerke steht derzeit still. Grund: ein Rotorbruch. Oberhalb der in 104 Metern Höhe liegenden Nabe war am Mittwoch eines der drei 46 Meter langen Rotorblätter aus bislang unbekannten Gründen gebrochen. Der abgeknickte Rest der Glasfaserkonstruktion blieb in großer Höhe hängen, konnte aber wegen des starken Windes weder näher untersucht noch gesichert werden. Menschen kamen bei der Havarie nicht zu Schaden, doch Bergung und Instandsetzung der Anlage können Monate dauern.

Betroffen von dem Schaden ist eine Anlage der „Windkraft Neuss GmbH“, die das Windrad erst im vergangenen Jahr nach jahrelangem Rechtsstreit mit der Stadt bauen und in Betrieb nehmen konnte. Der Wesselinger Investor Karl-Heinz Weißbarth, der diese und eine baugleiche zweite Anlage in den Feldern westlich von Röckrath — unweit des Buscherhofes — betreibt, schaltete auch die Experten der Herstellerfirma Enercon ein. „Das ist keine Lapalie“, sagte „Windmüller“ Weißbarth, der seit gut einem Vierteljahrhundert derartige Projekte plant und umsetzt. Er ließ seine beiden Anlagen stoppen und setzte stattdessen die Ursachenforschung in Gang. „Hat da eine Fremdeinwirkung stattgefunden?“, fragt er.

Experten der Firma Enercon begutachteten den Schaden. Foto: Christoph Kleinau

Das Tiefbauamt sperrte vorsichtshalber die Unfallstelle in einem Radius von 500 Metern um die Anlage ab. Die benachbarte Autobahn 46 lag nicht in dieser Zone. Feuerwehr und Polizei wurden eingeschaltet, rückten aber schon am späten Mittwochvormittag wieder ab. Eine akute Gefahr für die Bevölkerung konnte die Feuerwehr nicht ausmachen, appellierte aber dringend an die Bevölkerung, den Bereich der Unfallstelle zu meiden. Die Firma Enercon engagierte ihrerseits einen Wachdienst zum Schutz der Anlage – und etwaiger Über-Neugieriger.

Die Feuerwehr warnt eindringlich vor dem Betreten der Unfallstelle. Foto: Feuerwehr Neuss

Weil zur Bergung des Rotorflügels ein Spezialkran nötig ist, von dem es derzeit nur drei im ganzen Bundesgebiet gibt, können sich, so brachte die Stadtverwaltung beim Betreiber in Erfahrung, Bergung und Instandsetzung der Anlage über Monate hinziehen.

Zu reparieren sei das gebrochene Blatt ohnehin nicht, betont Felix Rehwald von der ostfriesichen Enercon, weil jeder Rotorflügel aus einem Stück gefertigt wird. Basis sind dabei Glasfasermatten, aus denen erst in Halbschalen Druck- und Saugseite des Flügels angefertigt werden, die innen mit Spanten und Stegen versteift und dann zusammengefügt werden. Zur Höhe des Schadens konnte auch er keine Angaben machen — auch weil solche Unfälle äußerst selten seien. In Relation zu den Millionen Betriebsstunden, die die Enercon-Anlagen weltweit leisten, läge die Schadenshäufigkeit aufgrund solcher Havarien im Promillebereich, so Rehwald.

Enercon hat in Neuss vier Windräder errichtet, zwei davon südlich von Hoisten im Auftrag der Stadtwerke. Die seien aber nicht vom gleichen Typ, betont Stadtwerkesprecher Jürgen Scheer. In der Tat sind die Hoistener (E-82) und die Röckrather Anlagen (E-92) nach Herstellerangaben technisch vergleichbar, jedoch würden sich gerade die Rotorblätter der E-92 von anderen Enercon-Maschinen unterscheiden.

Das defekte Windrad steht in der mit 80 Hektar größten Windenergie-Konzentrationsfläche in Neuss. Westlich von Röckrath drehen sich vier Anlagen, im gesamten Stadtgebiet sind es insgesamt sechs.

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