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Neuss: Willemsen eröffnet Lesefestival

Neuss : Willemsen eröffnet Lesefestival

Das Literaturbüro Düsseldorf hat die Planung des Literarischen Sommers abgegeben. Die Stadtbibliothek Neuss unter Alwin Müller-Jerina hat die Organisation des grenzüberschreitenden Festivals übernommen.

Neue Besen kehren gut — also wird die zwölfte Auflage des Literarischen Sommers ganz anders ausfallen? "Nein", sagt Alwin Müller-Jerina schmunzelnd, so sei das nun auch nicht. Schon recht früh hat das Literaturbüro Düsseldorf mit Marne Jungclaus signalisiert, dass es die Organisation des grenzüberschreitenden Lesefestivals nicht mehr würde leisten können, und der Leiter der Neusser Stadtbibliothek war mit seinen Mitarbeitern Ursul Hebben und Marion Kallus schnell übereingekommen, federführend einzusteigen.

Ob geplant oder nicht: Neuss bekam den Zuschlag für einen fulminanten Auftakt des Literarischen Sommers. Die zehn beteiligten Städte beginnen des Fest gemeinsam mit einer Veranstaltung im Foyer des Rheinischen Landestheaters und haben dafür Roger Willemsen verpflichtet. Mit seinem Buch "Die Enden der Welt", für das er auf allen fünf Erdteilen unterwegs war, passt der Schriftsteller und Moderator bestens in das Oberthema des Festivals, "Grenzgänger/Grensgangers".

Dank der finanziellen Unterstützung des Landes und des Kultursekretariats Wuppertal bewegt sich das Lesefestival auf sicheren Gleisen — kann sich mit anderen Worten auch einen bekannten Namen wie Willemsen leisten. Aber an der schon erprobten Mischung von "teuren Autoren und Newcomern" hält auch die neue Organisationscrew fest. Ohnehin sei es so, erklärt Müller-Jerina, dass alle Beteiligten ihre Wünsche fürs Programm äußern , dann geklärt wird, wer zu buchen ist und danach dann die Verteilung auf die zehn Städte ansteht - wiederum unter Berücksichtigung der Vorlieben und Bedenken.

Mancher Autor bleibt dann auch schon mal länger auf der Liste, ein anderer wird kurzfristig gebucht, weil er einfach durch seine Art überzeugt. das ist zum Beispiel bei Clemens J. Setz so, den Müller-Jerina auf der Leipziger Buchmesse in Interviews erlebte. "Unglaublich ansprechend" sei er gewesen, "er singt und zaubert sogar", erzählt der Bibliotheksleiter lachend. Sein Buch "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes" habe er erst danach gelesen: "Das ist schon heftige Kost", sagt er, "aber mann muss auch mal etwas Sperriges dabei haben." Gefällig dagegen ist Sabine Küchlers "Was ich im Wald in Argentinien sah". Die Kölnerin habe einfach "ein schönes Buch" geschrieben, findet Ursel Hebben, sogar mit Fotos zum Einkleben. Von Grenzgängern ganz anderer Art erzählen der luxemburgische, aber in Köln lebende Autor Guy Helminger und Norbert Scheuer. Helminger thematisiert in seinem Buch "Neubrasilien" Migrantenschicksale, und Scheuer erzählt in "Überm Rauschen" von Familien, die in und an der Provinz scheitern.

Insgesamt finden beim 12. Literarischen Sommer 25 Veranstaltungen in sieben Wochen in den Bibliotheken und Kultureinrichtungen statt. Die Gründerstädte Neuss, Krefeld und Mönchengladbach bilden die bewährte Basis, aber auch Düsseldorf und Aachen machen wieder mit, und auf niederländischer Seite sind Beesel, Helden, Maasbree, Roermond und Vaals dabei. Etwas ist allerdings doch ganz anders als bei den bisherigen Festival: Müller-Jerina und sein team haben eine neue Homepage machen lassen: "Und die ist viel besser", sagt er, "weil sie einfacher zu navigieren ist." Und vor allem kann man sich dort einen Platz reservieren lassen.

Info www.literarischer-sommer.eu

(NGZ)