1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Wildschweine kommen in Wohngebiete

Neuss : Wildschweine kommen in Wohngebiete

40 Jahre wurde in Neuss kein Schwarzwild gesichtet. Jetzt schossen Jäger erstmals wieder einen Keiler. Die Tiere suchen Nahrung.

Für Philipp van Eck war es eine Premiere und für Neuss ist es außergewöhnlich: ein Wildschwein mitten in der Stadt. Im Hammfeld war eine der Hundewiesen an der B9 nahe des Rheinparkcenters "gebrochen", wie es in der Jägersprache heißt. Ein Wildschwein hatte die Grasnarbe "von links auf rechts gedreht", berichtet Jäger van Eck.

Auf der Wiese waren große braune Flecken zu sehen, das Tier hatte das Erdreich durchwühlt. Einigen Spaziergängern sei dieses ungewöhnliche Bild ebenfalls aufgefallen. "Sie dachten, das seien Raben gewesen, aber so in diesem Maße können Raben eine Wiese nicht durchpflügen", stellt van Eck fest.

Ein befreundeter Jäger las die Spuren richtig und informierte Jagdpächter Adolf "Addi" Delvos. Der wiederum fragte bei van Eck an, ob er das Tier erlegen wolle.

So legte sich der 29-Jährige am selben Abend gegen 21 Uhr auf die Lauer. "Ich hatte mich schon darauf eingestellt, länger warten zu müssen", berichtet der Jäger. Doch schon kurz vor halb elf am Abend kam das Tier erstmalig in sein Sichtfeld, kurze Zeit später ein zweites Mal. Der Keiler machte genau das, was er an den vorangegangenen Tagen auch schon getan hatte: Er suchte auf der Wiese nach Futter, etwa Würmern, und wühlte mit seiner Schnauze die Erde auf.

Mit einem gezielten Schuss erlegte van Eck das etwa 40 Kilogramm schwere Tier. Es war das erste Schwarzwild seit 40 Jahren, das sich bis in den Siedlungsbereich der Stadt Neuss gewagt hat. "Wir sind nach wie vor nicht sicher, auf welcher Route es letztlich nach Neuss gekommen ist", sagt van Eck. Entweder direkt durch Gnadental oder doch über den Rhein. "Es ist grundsätzlich sehr selten, dass sich Schwarzwild ins Stadtgebiet verirrt", sagt Peter Kallen, Vorsitzender der Kreisjägerschaft.

Der Rhein-Kreis sei waldarm, auch bedeute der Autobahnring beziehungsweise der Rhein ein Hindernis. "Aber es gab auch schon den Fall, dass ein Wildschwein durch den Rhein geschwommen und dann durch ein Fenster in einen Keller gebrochen ist", berichtet Kallen. Aber dieser Vorfall liege schon Jahrzehnte zurück.

Doch die Tiere können für Anwohner in jedem Fall gefährlich werden. Vor allem dann, wenn das Tier verletzt ist oder eine Bache Junge dabei hat. "Dann sollte man sich auf keinen Fall auf das Tier zubewegen", rät Kallen.

Der erlegte Keiler scheint aus Sicht der Jäger allein unterwegs gewesen zu sein. Allerdings stellt auch Kallen fest, dass in den vergangenen zehn Jahren zunehmend Wildtiere in Stadtnähe unterwegs sind. "Das liegt natürlich auch am Anbau auf den Feldern", sagt Kallen. Während früher viel Weizen, Roggen und Gerste angebaut wurden, sind es heute eher Raps und Mais, was die Wildschweine eher dazu bringt, sich andere Nahrungsquellen zu suchen.

Aber auch Füchse, laut Kallen die Opportunisten unter den Wildtieren, weil sie alles fressen, was sie finden, wagen sich zunehmend ins Stadtgebiet. "Füchse sind aber sehr scheu. Gefährlich wird es nur, wenn sie an Tollwut erkrankt sind oder sich in die Enge gedrängt fühlen", sagt Kallen. Aber Tollwut komme mittlerweile kaum noch vor.

Für van Eck besitzt der Jagderfolg, einen Keiler geschossen zu haben, noch einen weiteren Aspekt: Im gleichen Bereich erlegte sein Großvater vor vielen Jahren ebenfalls ein Schwarzwild. Die Zähne des Tieres wird van Eck als Trophäe bekommen. Der Rest des Tieres wird über den Wildhandel vertrieben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Wir werden Waldmeister: Das Wildschwein

(NGZ/jco)