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Neuss: Wie stürzte der Hund aus dem Fenster?

Neuss : Wie stürzte der Hund aus dem Fenster?

Die Polizei ermittelt in einem kuriosen Fall gegen einen jungen Neusser. Er steht in dem Verdacht, einen Hund aus dem Fenster seiner Dachgeschosswohnung auf die Straße geworfen zu haben. Die Familie spricht von einem Unfall.

Horst Harmes wuchs neben einem Schlachthof auf, doch solche Schmerzensschreie eines Tieres wie am Samstag hat der Gastwirt des Lokals "Op de Eck" noch nie gehört. "Erst der dumpfe Schlag und dann war da dieses elende Winseln", erinnert er sich an den Moment, als vor dem Haus gegenüber ein Hund auf die Fahrbahn fiel — und fast eine Passantin traf. Nun ermittelt die Polizei gegen den jungen Bewohner der Dachgeschosswohnung in dem dreistöckigen Haus, bestätigte Polizeisprecherin Diane Drawe. Vorwurf: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Die Eltern des jungen Mannes, bei dem sie ihren zwölfjährigen Jack Russel Terrier sonst immer in guter Obhut wussten, sprechen von einem tragischen Unfall. "Unser Sohn war zu dem Zeitpunkt einkaufen und hatte die Fenster auf zum Lüften", schildert die Mutter die Familien-Version. "Der Hund ist abgestürzt." Aber daran glaubt in der Nachbarschaft niemand. Warum, so fragt sich nicht nur Horst Harmes, fiel der Hund nicht senkrecht auf den Bürgersteig, sondern in hohem Bogen auf die Fahrbahn? "Das ist mir ganz unerklärlich."

Als der Hund auf die Straße fiel und mit gebrochenem Becken liegen blieb, war in der Gaststätte "Op de Eck" schräg gegenüber Frühschoppenzeit. Sechs Gäste saßen draußen, erinnert sich Harmes, doch keiner war wirklich Augenzeuge des Vorganges. Aber spätestens mit dem Entsetzensschrei der Passantin, der der Hund förmlich vor die Füße fiel, waren alle alarmiert. "Ein Glück, dass die Frau da war", sagt Harmes, denn die kümmerte sich um das verletzte Tier bis eine Krankenschwester aus der Nachbarschaft hinzukam.

Für die Nachbarn ist der Fall rätselhaft. "Ein Hund springt doch nicht aus dem Fenster", sagt zum Beispiel Hans-Dieter Wennmacher. "Selbst wenn er gejagt wird." Bei vielen Anwesenden keimte deshalb schnell der Verdacht, das Tier könnte aus dem Fenster gestoßen oder gar geworfen worden sein. "Gäste, die selber einen Hund haben, wollten dem schon ans Fell", schildert Stefan Harmes, Sohn von Horst Harmes und Inhaber des "Op de Eck", die aufgeheizte Stimmung.

Ihn irritierte auch der Besuch des jungen Mannes am Abend, der wohl Augenzeugen in der Gaststätte suchte. "Dann hat keiner gesehen, wie ein Vogel am offenen Fenster vorbeigeflogen ist?", habe der junge Mann gefragt. Warum nur?

"Es ist unerklärlich, wie das Tier verletzt wurde", sagt Polizeisprecherin Drawe. Deshalb wurde von der Polizei Strafanzeige erstattet.

Der verletzte Hund wurde tierärztlich versorgt und lebt. Schon Montag kehrte er in die Familie zurück.

(NGZ/top)