Neuss: Wie man sich im Urlaub auch zu Hause erholt

Neuss: Wie man sich im Urlaub auch zu Hause erholt

Die Experten-Tipps: Termine schnell erledigen, vertraute Gegend neu erkunden, Handy beiseitelegen.

Wer Urlaub macht, der hat sich gefälligst zu erholen. Sagt das Bundesurlaubsgesetz. Der Arbeitgeber darf nach der bezahlten Freizeit einen gestärkten Mitarbeiter zurückerwarten. Das geht auch zu Hause, sagt Professor Ulrich Sprick, Psychiater und Chefarzt des Ambulanten Zentrums am Neusser Alexius-Krankenhaus. "Wer langfristig auf Erholung verzichtet entwickelt Burnout-Symptome, ist vielleicht nicht mehr so kreativ und kann bestehende Grenzen nicht mehr kurzfristig überschreiten", warnt Sprick. Das ist die Vorstufe zur Erschöpfungsdepression - eine ernstzunehmende Erkrankung.

Den kann man auf unterschiedliche Weise auch in gewohnter Umgebung erzeugen. Zum Beispiel, indem man den Rhein-Kreis so erkundet, als sei man als Tourist unterwegs. Man kann aber auch eine Nacht mit dem Zelt im eigenen Garten verbringen, Wanderungen unternehmen, womöglich auch mit einer Übernachtung, rät Sprick. "Unser Belohnungssystem reagiert ganz besonders auf neue Reize", sagt der Facharzt für Psychiatrie und Neurologie. Also sollte man einmal ein unbekanntes Museum besuchen, sich in ein fremdes Café setzen, mit der Familie einen Ausflug unternehmen - also etwas entdecken. Professor Alexander Cisik, Arbeitspsychologe an der Hochschule Niederrhein, rät: "Der Rhythmus muss verändert werden. Alles so weiterlaufen zu lassen ist der größte Fehler."

Schlafen gehen, ohne den Wecker zu stellen. Gut essen und trinken. Zwei ganz wichtige Merkmale guter Erholung. "Man sollte sich jeden Tag eine Besonderheit gönnen", sagt Sprick. Die Kunst ist der gesunde Mittelweg: Nicht immer früh aufstehen, aber auch nicht lustlos in den Tag hineinleben. Auch Urlaub braucht einen Plan, eine Struktur.

Generell sollte der Urlaub so geplant sein, als würde eine Reise anstehen. Sprich: Wichtige Termine oder lästige Dinge wie die Steuererklärung direkt zu Beginn erledigen.

Arbeitspsychologe Cisik empfiehlt, im Urlaub auch das Handy ruhen zu lassen. Nicht nur was dienstliche Mails angeht, sondern auch Nachrichten aus sozialen Netzwerken. "Diese Entwöhnung führt dazu, dass man wieder zu den wesentlichen Dingen findet und eine neue Erlebnistiefe erreicht", sagt Cisik. Den Film mal ohne Smartphone ("Second Screen") schauen, Musik ohne andere Einflüsse anhören, das Essen ganz bewusst genießen "Dadurch können wir verloren gegangene Sensorik wieder erlernen und alles intensiver erleben - auch den Urlaub."

(NGZ)
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