Neusser Woche Metropolregion Rheinland: Wie aus einer guten Idee schlechte Realität wird

Neusser Woche Metropolregion Rheinland : Wie aus einer guten Idee schlechte Realität wird

Der Rhein-Kreis gründet die Metropolregion Rheinland mit. Das ist gut. Die Metropolregion gibt es aber nur in der Vereinsstruktur. Das ist schlecht.

Wo Metropolregion drauf steht, ist noch lange nicht überall Metropolregion drin. Die Metropolregion Ruhr, dahinter verbirgt sich der Regionalverband Ruhr (RVR), ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und wird auch als Regionalplanungsbehörde tätig. Was an der Ruhr gelingt, müsste doch auch am Rhein möglich sein? Denkste! Wenn am 20. Februar die Metropolregion Rheinland gegründet wird, dann entsteht ein simpler Verein, ohne staatliche Kompetenz. Bestenfalls entsteht da ein neuer Marketingverein.

Im Kern ist es wie immer. Alle wollen dabei sein. Aber keiner will seinen Einfluss auch nur reduzieren. Um diesen Verein ohne Entscheidungskompetenz zu führen, werden aber fünf Gremien installiert. Eine Vollversammlung mit 210 Sitzen, ein Vorstand (21 Mitglieder, 6 Gäste), ein sechsköpfiger Geschäftsführender Vorstand sowie ein Lenkungskreis und ein Kuratorium mit unbeschränkter Mitgliederzahl. Wer sich die verschachtelte Struktur des Metropolvereins anschaut, kann nur zu einem Schluss kommen: Jeder will überall dabei sein, um aufzupassen, dass nichts gegen seine Interessen läuft. Nur gut, dass der finanzielle Aufwand mit knapp einer Million Euro - bei 35 zahlenden Mitgliedern - relativ überschaubar ist. Der Kreis ist mit 20.000 Euro dabei.

Ja, diese Schmalspur-Metropolregion ist eine Enttäuschung. Dennoch ist es okay, dass sich der Rhein-Kreis nicht verweigert, sondern Gründungsmitglied wird. Draußen bleiben und meckern bringt nichts. Reingehen und mit Argumenten überzeugen ist der bessere Weg. Aber es wird ein harter Kampf und langer Weg werden, wenn aus diesem Verein am Rhein eine Körperschaft des öffentlichen Rechts wie an der Ruhr werden soll - wenn es denn überhaupt gelingt. Trotzdem war es klug, dass der Kreisausschuss mit breiter Mehrheit den Beitritt beschlossen hat. Denn Oppositionsführer Rainer Thiel (SPD) hat Recht. Wer nicht mitmacht, der isoliert sich. Das wäre noch schlechter.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@ngz-online.de

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE