Neuss: Widerstand gegen Konverter formiert sich

Neuss: Widerstand gegen Konverter formiert sich

Die Politik kritisiert Netzbetreiber Amprion, der zwei Flächen in Neuss als Standort ins Auge nimmt. Bürgerinitiative fürchtet eine Erpressung.

Schutzwürdig sind in den beiden Neusser Suchgebieten für den Konverter allein die Böden. Das zumindest geht aus der Untersuchung hervor, die Netzbetreiber Amprion seiner Entscheidung zugrunde legt, das Westfeld und Flächen südlich von Hoisten einer näheren Untersuchung für den Bau dieser Schaltstelle im Stromnetz zu unterziehen. "Freifläche heißt nicht automatisch, dass da Platz ist", warnt Grünen-Fraktionschef Michael Klinkicht, der das Thema als Vorsitzender im Umweltausschuss aufrufen will, und vor allzu schnellen Standortentscheidungen warnt.

Ein halbes Jahr lang hat Amprion nach einem Standort für den Konverter gesucht, in dem erzeugte Energie in Gleichstrom umgewandelt und über das Umspannwerk Osterath ins Fernleitungsnetz eingespeist werden kann. Basis dafür seien öffentlich zugängliche Daten und Dokumente gewesen, erklärt Amprion-Manager Andreas Preuß das Verfahren. Das ärgert Planungsdezernent Christoph Hölters. Man habe Amprion umfangreich informiert, doch kaum etwas davon finde sich in den Bewertungen wieder.

Ein Kernargument bei der Suche war vielmehr der Abstand zur schon bestehenden Hochspannungstrasse. Denn jeder Kilometer Leitung, den Amprion vom Konverter bis dorthin neu bauen muss, schlägt mit rund einer Million Euro zu Buche. Diese Abstände ließen sich in beiden Neusser Suchfeldern auf Null reduzieren. Punkt zwei: Die Suchfläche muss groß genug sein, um ein Grundstück mit den Kantenlängen 370 mal 260 Meter für den Konverter dort unterbringen zu können. Das ist im Westfeld, an der Grenze zu Kaarst (407 Hektar), und in Hoisten und dem angrenzenden Grevenbroich-Neukirchen (204 Hektar), problemlos möglich. Weil es sich um Standorte in der freien Landschaft handelt, sind auch Abstände zur Wohnbebauung von etwa 500 Metern (Hoisten) beziehungsweise etwa 600 Metern (Westfeld) darstellbar. Andere Ausschlusskriterien weisen die "Standort-Steckbriefe" nicht aus, und bei Windkraftanlagen steht so schlicht wie zutreffend: Nicht vorhanden.

Die Grafik ist der Amprion-Darstellung nachempfunden. Foto: Google/klxm

"Hätten sich die Hoistener für die beiden Windkraftanlagen entschieden, wäre das Thema Konverter keines", sagt Klinkicht, der dem Amprion-Projekt so kritisch gegenübersteht wie CDU und SPD. Heinrich Köppen (FDP) lehnt Konverter wie Windräder ab. Beides passe nicht für Hoisten. Er argwöhnt, Amprion könnte den Stadtwerken deren Windkraft-Standort abzuhandeln versuchen und sagt zur Begründung: "Ein Konverter ist wichtiger als zwei oder drei Windräder."

Gisela Ortwein von der Bürgerinitiative "Windkraft Neuss" bringt gegen den Konverter das gleiche Argument vor wie gegen die Windräder. Detaillierte Informationen zum Konverter hat sie noch nicht, aber eine Sorge: "Dass man uns die Ecke drängt und sagt: Nehmt das Eine, um das andere zu verhindern."

(NGZ)
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