Neuss: Whitesell will sein Neusser Werk schließen

Neuss: Whitesell will sein Neusser Werk schließen

Der Automobilzulieferer Whitesell hat angekündigt, sein Neusser Werk aufgeben zu wollen. Mehr als 300 Arbeitsplätze sind in Gefahr.

Es war ein Schock für die Mitarbeiter des Ruia-Nachfolgers Whitesell: Der US-Investor hat seinen Beschäftigten gestern mitgeteilt, dass er sein Neusser Werk schließen wird und mindestens die Hälfte der rund 1300 Arbeitsplätze an den Standorten Neuss, Neuwied, Beckingen und Schrozberg einsparen will. Ein konkreter Zeitplan wurde nicht vorgelegt. Die zuständige Gewerkschaft IG Metall kündigte an, das nicht hinnehmen: "Hier wird ein Unternehmen systematisch kaputt gemacht, das ist ein Skandal", sagte Nihat Öztürk, Geschäftsführer der IG Metall Düsseldorf-Neuss.

In Neuss sind von den Schließungsplänen rund 300 Arbeitsplätze betroffen. Bürgermeister Herbert Napp reagierte bestürzt auf die geplante Werksschließung: "Wäre Whitesell auf uns zugekommen, hätten wir jegliche Hilfe angeboten", sagt er. Bei allen bisherigen Turbulenzen des Unternehmens, das durch zwei Insolvenzen gegangen war, bis der US-Investor Whitesell es im Vorjahr übernommen hatte, sei die Zusammenarbeit stets sehr eng gewesen. "Daran hatte der neue Besitzer aber gar kein Interesse", berichtete Napp, der heute mit Whitesell Kontakt aufnehmen möchte um zu klären, ob tatsächlich schon das letzte Wort in Sachen Schließung gesprochen ist.

Das Unternehmen Whitesell, das mit der Öffentlichkeit nur über eine in München ansässige PR-Agentur kommuniziert, erklärte die geplanten Einschnitte als notwendig, um das Unternehmen zu restrukturieren. Die geplanten Maßnahmen seien "unvermeidlich, um das Unternehmen für zukünftige Stabilität und Wachstum auszurichten". Es seien "langfristige Vereinbarungen mit sehr bedeutenden Kunden" abgeschlossen worden.

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Die IG Metall bezweifelt das. Sie kritisiert bereits seit Monaten das Geschäftsgebaren des US-Investors, wirft ihm vor, Kunden durch eine unseriöse Preispolitik zu vergraulen. "Da werden plötzlich Aufschläge von 30 Prozent verlangt, kein Wunder, dass die Kunden das nicht mitmachen", sagt Nihat Öztürk. Er fürchtet, dass auch das Werk in Schrozberg gefährdet sein könnte. Dort drohe ebenfalls, dass ein großer Auftrag aus der Automobilindustrie wegen der Preispolitik von Whitesell wegbricht. "Dann werden nicht 50 Prozent der Stellen bei Whitesell wegfallen, sondern sogar gleich zwei Drittel", sagt der Gewerkschafter, der damit rund 950 Arbeitsplätze in Gefahr sieht.

Whitesell kündigt unterdessen an, mit seiner Restrukturierung einen "15-jährigen Leidensweg für das Unternehmen und dessen Belegschaft" zu beenden. Für Gewerkschafter Öztürk klingt das wie blanker Hohn: "der Leidensweg hat mit Whitesell erst begonnen", sagt er.

(NGZ)
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