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Neuss: Whitesell verteidigt Geschäftsstrategie

Neuss : Whitesell verteidigt Geschäftsstrategie

Der Ruia-Nachfolger Whitesell hat in den vergangenen Wochen seine Mitarbeiter gegen sich aufgebracht. Jetzt bemüht sich das Unternehmen um Schadensbegrenzung. Doch die Rechtfertigung bleibt vage, viele Fragen sind weiter offen.

Der Ruia-Nachfolger Whitesell steht unter Druck. Denn die Gewerkschaft IG Metall - und damit eine Vielzahl von Mitarbeitern - hat ihm das Vertrauen entzogen, sucht bei Politik und Verwaltung Unterstützung für ihre Forderung "Whitesell muss weg".

Nach Wochen des Schweigens hat sich der US-amerikanische Investor, der im vergangenen Jahr den insolventen Automobilzulieferer übernommen hatte, nun zu Wort gemeldet. Tenor der Mitteilung: Das Unternehmen stehe auf einer soliden finanziellen Basis, und es seien langfristige Verträge mit Kunden geschlossen worden. Zudem achte Whitesell auf eine nachhaltige Kundenbindung und habe "bedeutende Investitionen" vorgenommen.

Bei Heiko Reese, Geschäftsführer der IG Metall Düsseldorf-Neuss, sorgt die Whitesell-Stellungnahme für Kopfschütteln. "Unsere Einschätzung ist eine ganz andere", sagt er. Schon jetzt seien massive Verluste an der Kundenbasis absehbar, was dementsprechend zu Einnahme-Verlusten führe. Zudem drohten höchstwahrscheinlich ein Personalabbau und schlimmstenfalls Werksschließungen. Denn laut der Gewerkschaft ist Whitesell zu aggressiv mit Großkunden umgegangen, habe sie dadurch verprellt.

Zu dem Automobilzulieferer, der in Neuss an der Zufuhrstraße in der Nordstadt sitzt, gehören Standorte in Neuwied, Beckingen und Schrozberg. Insgesamt hat die Firma, die einst unter dem traditionsreichen Namen "Bauer & Schaurte" bekannt war, 1300 Beschäftigte. Whitesell spricht in seiner Mitteilung davon, dass für diese Werke eine "Restrukturierung" notwendig sei. Diese werde "leider schwierig und bedauernswert sein", aber nur so könnten viele Arbeitsplätze gesichert werden. Konkreter wird Whitesell nicht, so wie das Unternehmen auch Nachfragen nicht zulässt.

Wie in der Vergangenheit hat die US-geführte Firmengruppe eine Münchener Kommunikationsagentur damit beauftragt, Ansprechpartner für Anfragen aus Deutschland zu sein. Die lässt mitteilen, dass "Whitesell zum jetzigen Zeitpunkt davon absehen möchte, weitere Fragen, die über die Stellungnahme hinausgehen, zu beantworten".

Und Fragen stellen sich einige. Etwa nach den Kunden. Mit denen hätten zum Zeitpunkt der Übernahme keine gültigen Verträge existiert, doch Whitesell habe sich "ungeachtet des großen Risikos" für eine Übernahme entschieden, heißt es in der Stellungnahme. Dann habe sich herausgestellt, dass viele Kunden zu verlustbringenden Preisen beliefert worden seien. Daher habe man "neue, nachhaltige Preise festgesetzt". Daraufhin hätten sich etliche Kunden geweigert, die neuen Marktpreise zu akzeptieren. "Es zeigte sich, dass einige der großen Kunden bereits Monate vor der Übernahme vorhatten, das Geschäft zu Wettbewerbern zu verlagern", schreibt Whitesell.

Eine Behauptung, der die Gewerkschaft widerspricht. "Die Kunden springen ab, weil Preise festgesetzt und nicht verhandelt wurden", sagt Heiko Reese. Der Gewerkschafter sieht weiter schwarz für die Zukunft des Ruia-Nachfolgers: "Wir haben zwei Insolvenzen mitgemacht, ohne Kunden zu verlieren, und jetzt fährt Whitesell diese Leistung an die Wand", sagt Reese.

(NGZ)