Wettbewerb „Gesang und Orgel“ der Kirchenmusikwoche Neuss

58. Kirchenmusikwoche in Neuss: Zwei Tage im Zeichen der Orgel

Zehn Duos von insgesamt 20 angemeldeten für den Wettbewerb „Gesang und Orgel“ der Neusser Kirchenmusikwoche mussten sich im Live-Konzert einer Jury stellen. Gewonnen hat ein Duo aus Mainz.

Zum vierten Mal fand innerhalb der Neusser Kirchenmusikwoche der „Internationale Wettbewerb für Orgel und Gesang“ statt. 20 Duos hatten sich gemeldet, und zehn wurden eingeladen. In einem gut fünfstündigen Vorstellungsmarathon präsentierten sich die jungen Künstler in der Christuskirche.

Carsten Ehret (Orgel) und Ruth Katharina
Carsten Ehret (Orgel) und Ruth Katharina Peeck (Mezzosopran) haben die Jury überzeugt und wurden von Michael Ziege (r.) ausgezeichnet. Foto: Georg Salzburg(salz)

Vier Duos kamen in die Finalrunde, die am Mittwoch im Quirinusmünster ausgetragen wurde. Und am Ende musste die kompetent besetzte Jury sich entscheiden: Wer wird bekommt den ersten Platz?

Mezzosopranistin Ruth Katharina Peeck (Mainz) und Organist Carsten Ehret überzeugten schließlich die Juroren mit Christuskirchenkantorin Katja Ulges-Stein (Vorsitzende), den Professoren Mechthild Georg, Michaela Krämer und Stefan Palm sowie Münsterkantor Joachim Neugart. Zum ersten Mal war Kulturreferent Rainer Wiertz als Vertreter des Kulturamtes dabei. 

Auffallend war, dass die drei sich präsentierenden Organistinnen ihren männlichen Kollegen in Bezug auf professionelle Instrumentenbeherrschung in nichts nachstanden. Die Auswahl der Werke war breit gefächert – vom Barock über die Romantik bis zur gemäßigten Moderne war alles dabei, auch viele wenig bekannte Werke. Von den 20 eingeladenen Musikern waren zehn weiblichen und zehn männlichen Geschlechts, altersmäßig lagen sich im Schnitt etwa Mitte 20.

Natürlich gab es qualitative Unterschiede, aber ein wirklicher Ausfall war nicht dabei, und oft lagen die Leistungen von ihrer sowohl technischen als auch interpretatorischen Güte her sehr nahe beieinander. Die Juroren wählten schließlich vier Duos aus, die sich am Mittwochabend im Quirinusmünster wiederum der Jury sowie einem interessierten und wahlberechtigten Publikum stellten, um einen der drei ausgelobten Preise und möglichst auch den Publikumspreis zu erringen.

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Es begann das aus Maastricht stammende Duo Eva Diederix (Sopran) und Poppeia Berden (Orgel). Letztere nahm sofort mit einer virtuosen Toccata für Orgel von Louis Vierne für sich ein. Ihre Gesangspartnerin hatte den fünfteiligen Zyklus „Spiegel der Schmerzen“ von Hendrik Andriessen (1892-1981) gewählt, der „die Leiden Christi aus Marias emotionaler Sicht“ zum Thema hat. Die Mezzosopranistin Ruth Katharina Peeck (Mainz) sang aus Antonin Dvoraks „Biblischen Liedern“ „Herr, o mein Gott“, dann einen Satz aus dem „Triptychon“ von Heinrich Kaminski und als besondere Kostbarkeit „Der Engel“ aus Richard Wagners „Wesendonck-Liedern“. Carsten Ehret war ihr ein einfühlsamer Begleiter – solistisch stellte er sich mit Sigfrid Karg-Ehlerts „Lobe den Herrn“ vor.

Felix Mendelssohn Bartholdys Arie „Herr Gott Abrahams“ aus dem „Elias“ gestalteten der Bariton Benjamin Hewat-Craw und George Warren (Orgel) ungewohnt getragen – weit lebhafter gingen sie die Arie aus Bachs „Matthäuspassion“, „Mache dich, mein Herze, rein“, und einen der „Mystical Songs“ von Ralph Vaughan Williams an. Das Orgel-Solostück war der erste Satz des „Psalm Prelude“ von Herbert Howells.

Den glanzvollen Abschluss bereiteten die Düsseldorfer Sopranistin Jana Marie Gropp und ihre bestens mit ihr harmonierende Begleiterin an der Orgel, Theresa Hagmeyer. „Lass‘ mich mit Tränen mein Los beklagen“ von Georg Friedrich Händel, das „Gebet“ von Hugo Wolf, „Gott ist mein Hirte“ (eines der „Biblischen Lieder“ von Dvorak) und Sigfrid Karg-Elerts „Abendstern“ waren Gropps Liedvorträge. Hagmeyer spielte den zweiten Satz aus Olivier Messiaens „Himmelfahrt“.

Die anschließende Preisverleihung im Romaneum zeigte, dass die Jury eine wahrhaft salomonische Wahl getroffen hatte. Es oblag Michael Ziege, Vorsitzender des Kulturausschusses und dadurch auch Vorsitzender des Veranstalters Arbeitsgemeinschaft Kirchenmusikwoche, die Spannung zu lösen: Den ersten Preis (3000 Euro) bekamen Peeck und Ehret, Das Duo Gropp/Hagmann belegte den zweiten Platz (1500 Euro), und den dritten Preis (1000 Euro) teilten sich die Duos Diederix/Berden und Hewat-Craw/Warren. Das Publikum hatte für Gropp-Hagmann votiert.

So waren schließlich alle hoch zufrieden, und der Abend klang harmonisch aus.