Werner Schlüter, der die Neusser Bürgermeisterkette schuf, ist tot.

Nachruf - Neuss trauert um Ex-Schützenkönig : Zum Tod von Werner Schlüter

Bertold Reinartz, Herbert Napp, Reiner Breuer – die Neusser Bürgermeister tragen bei offiziellen Anlässen mit Stolz die Amtskette. Ein Kunstwerk, das der Neusser Goldschmied Werner Schlüter geschaffen hat.

Das war 1984 im Auftrag von Hermann Wilhelm Thywissen. Der war damals Bürgermeister und stiftete die Amtskette aus Anlass des großen Stadtjubiläums. Neuss feierte 1984 seinen römischen Ursprung vor 2000 Jahren. Vor wenigen Tagen verstarb Werner Schlüter. Das machte seine Familie über Ostern bekannt; Freitag (26.) wird er in Reuschenberg zu Grabe getragen. Sein bekanntestes Werk wird fortan an ihn erinnern, immer wenn der Bürgermeister die Amtskette trägt, auf der neben dem Stadtwappen historische Münzen und Medaillen der Stadttore zu sehen sind.

Der „zugezogene“ Werner Schlüter war in Neuss stadtbekannt. Sein markant geschnittener Bart war längst schon sein Markenzeichen als Barbershop noch als Fremdwort galt. Die Neusser kennen Werner Schlüter nicht nur als filigranen Goldschmied, der die Bürgermeisterkette schuf, sondern auch als Schützenkönig: Gemeinsam mit seiner Frau Irmgard regierte er 1988/89 die Schützen. Er marschierte in Reihen der legendären „Bänkelsänger“, bei denen sich prominente Persönlichkeiten – Heinz Günther Hüsch, Heiner Kaumanns, Jochem Dammer, Otto Saarbourg, Max Tauch, Hans Mausberg, Pit Schütz und viele mehr – gefunden hatten.

Schützenpräsident Martin Flecken kennt Werner Schlüter aus der Hubertuspfarre, in der beide einst wohnten: „Zu den Bänkelsängern verband vor einer Generation die jungen Züge der Schützenlust eine besondere Nähe.“ Fleckens Zug „Nur so“ gehörte dazu. Flecken erinnert an Schlüters Königsorden, der das Haus Rottels zeigt, heute Museum und Schützenarchiv: „Der Orden ist für die Geschichte unseres Vereins wichtig. Das konnte Schlüter damals noch nicht ahnen.“

Anfang März war Werner Schlüter 90 Jahre alt geworden. Zum runden Geburtstag beschrieb Christoph Kleinau in der NGZ den ungewöhnlichen Weg Schlüters aus seiner schlesischen Heimat ins rheinische Neuss: „Schlüter, im schlesischen Breslau geboren, wurde zum Kriegsende, als seine Heimstadt zur Festung erklärt wurde, noch als Flakhelfer eingezogen. Er verlor Heimat und Familie, landete als Teenager in Helmstedt und kam nur mit Glück an eine Lehrstelle als Goldschmied – die er annehmen musste. Alternativlos, wie man heute sagen würde. ,Sonst hätte ich keine Lebensmittelmarken bekommen’, sagt er schlicht.“ Dem Beruf als Goldschmied, den er nur per Zufall zugewiesen bekommen hatte, blieb Schlüter treu. Er absolvierte ein Werkkunststudium in Krefeld und kam so in die Nachbarstadt Neuss, wo er sich ein Atelier einrichtete.

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