Neuss: Werhahn-Stiftung startet erste Projekte

Neuss : Werhahn-Stiftung startet erste Projekte

Zwei Jahre nach Gründung kann die Stiftung der Werhahn KG erste Erfolge vorweisen. Im Fokus: benachteiligte junge Menschen. In Indien und in der Ukraine laufen erste Projekte an. In Neuss gehen bald "Lese-Mentoren" an den Start.

Unternehmertum und wirtschaftlicher Erfolg sind auch gesellschaftliche Verpflichtung — vor zwei Jahren haben die Gesellschafter der Werhahn KG beschlossen, diesen Grundsatz auch mit Hilfe einer Stiftung zu verfolgen. Am Freitag stellten Wilhelm Straaten, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung, und seine Stellvertreterin, Helene Reuther, die ersten Ergebnisse vor. Im Fokus steht die Hilfe für benachteiligte junge Menschen.

Der Startschuss für ein Projekt ist bereits gefallen: Im indischen Pondicherry hilft die Stiftung Jugendlichen mit Behinderung dabei, einen Beruf zu erlernen. In zwölf Monaten werden sie zu Näherinnen oder Metallverarbeitern ausgebildet. Der Standort des Projekts ist kein Zufall. Die Werhahn-Stiftung will vor allem dort helfen, wo sie mit eigenen Werken vertreten ist. In Pondicherry ist das ein Betrieb des Tochterunternehmens Tweezerman India, das zum Geschäftsbereich Zwilling gehört.

Nach Abschluss der Lehrzeit soll ein Teil der Jugendlichen von Zwilling übernommen werden. Sie könnten dann zum Beispiel Lederetuis für Kosmetikinstrumente von Tweezerman und verschiedene Zwilling-Artikel, etwa Schürzen oder Topfhandschuhe, produzieren. Neun Jugendliche haben die Ausbildung bereits beendet und arbeiten jetzt für Tweezerman. In der Lehrzeit bekommen sie 30, danach 50 Dollar pro Monat, das ist zwar weniger als eine Kraft ohne Handicap, für die jungen Leute dennoch enorm wichtig: "In Indien gilt Behinderung als Strafe Gottes", sagt Helene Reuther. Mit der Ausbildung hätten die Jugendlichen die Chance, ihr Ansehen zu steigern und ihre Familie finanziell zu unterstützen.

Die Werhahn-Gruppe legt Wert darauf, dass solches Engagement mit Hilfe der Stiftung zwar neu, grundsätzlich in der Unternehmenskultur jedoch seit langem verankert ist: "Gelebte christliche Werte und die Übernahme von sozialer Verantwortung prägen unser Familienunternehmen von Anfang an", sagt Helene Reuther. Mit der Stiftung werde dies nur deutlicher sichtbar, ergänzt Anton Werhahn, Vorstandssprecher der Werhahn KG. Sollte das Engagement auch zu einer Verbesserung des Unternehmensimages führen, sei dies ein positiver Nebeneffekt, keinesfalls jedoch das Hauptziel. In diesem Sinne werden auch die Modernisierung einer Kinderklinik in der Ukraine und eine Initiative, die Jugendliche bei der Berufswahl unterstützt, gefördert.

In Neuss steht das Projekt "Lesementor" kurz vor dem Start. Gemeinsam mit Stadt, Schulen und Volkshochschule soll ab Ende November die Sprach- und Lesekompetenz von Kindern gefördert werden. Die Werhahn-Stiftung finanziert den Start und ein Organisationsbüro als Grundlage für die ersten Jahre.

Straaten will so auch unternehmerisches Know-how in soziale Projekte einbringen: "Das ist ebenso wichtig wie finanzielle Unterstützung. Wir wollen versuchen, neue Ideen anzustoßen." In einer Situation, in der der Staat im Sozialbereich mit weniger Geld auskommen müsse, sei dies zwar kein Ersatz, aber ein Baustein zur Lösung drängender gesellschaftlicher Probleme.

(NGZ/ac)
Mehr von RP ONLINE