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Neuss: Werhahn gibt Studenten Denkanstöße

Neuss : Werhahn gibt Studenten Denkanstöße

Einfach hat es Hermann Josef Werhahn den Studenten der Europäischen Fachhochschule am Freitag nicht gemacht. Das lag nicht am trockenen Vortrag des 87-Jährigen, vielmehr trat er mit sehr viel Wortwitz und Schlagfertigkeit auf.

Aber es war nicht immer leicht, Werhahn zu folgen, weil viele seiner Sätze Vorwissen erforderten – um ihre Tragweite zu begreifen. Der gelernte Investor aus der gleichnamigen Unternehmerfamilie, Energiepolitische Berater und Adenauer-Schwiegersohn – nur drei Stichworte aus seiner langen Vita – sprach über die "Kultur der Selbstständigkeit". Und das war mehr als nur ein Vortrag über Unternehmertum.

Ihm ging es um Eigen- und Gesamtverantwortung – im Wechselspiel von Gerechtigkeit, Tatkraft und Besonnenheit. Drei Worte, die für ihn die Übersetzung für Jurisdiktion, Exekutive und Legislative sind. In der Organisation des Staates spiegeln sich die drei Kräfte wieder, die sich im "Innenleben eines jeden Menschen" zeigen. Es sei das "Trio der Menschenwürde", das zur Gleichwertigkeit von Männern und Frauen gehöre. Werhahn machte dies am Beispiel der Frauen deutlich: Er verband das Charaktertrio mit Logik, Symbolik, Intuition. Erst durch das Übergewicht der aristotelischen Logik in Denksystemen wurde die Grundlage für die Unterdrückung der Frau und der Sklaverei gelegt. Tatsächlich beschränkte Aristoteles die Tugend des Denkens nur auf griechische Männer.

Erst durch ein Gleichgewicht des "Charaktertrios" entsteht Selbstständigkeit – nicht sklavisches Festhalten an eine Denkweise. Aus der Selbstständigkeit ergibt sich die Gesamtverantwortung des Einzelnen. Und darin sieht er die Chance, die soziale Marktwirtschaft zu vervollständigen – als "Soziale Kapitalwirtschaft". Nichts spreche dagegen, dass Firmen für ihre Selbstständigkeit mit Eigenkapital arbeiten. Aber Wirtschaftsbürger als Miteigentümer könnten in die Gesamtverantwortung eingeführt werden. Wirkliche Miteigentümer hätten unter anderem verhindert, dass im Ruhrgebiet mit Fremdkapital bodenlose Arbeitsplätze aufgebauscht worden seien. Denn die "Kumpel und Volksparteien durften nicht erfahren, dass der Ruhrbergbau bald ein Ende hat". Teilverantwortung wurde gegen Gesamtverantwortung gestellt. Vorausschauend handeln, könne man aber nur, wenn man das Charaktertrio – Gerechtigkeit, Tatkraft, Besonnenheit – für die Gesamtverantwortung freihält.

(NGZ)