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Neuss: Werbe-Wahn in der Innenstadt

Neuss : Werbe-Wahn in der Innenstadt

Mit allen Mitteln versuchen Neusser Händler, die Aufmerksamkeit ihrer Kunden zu gewinnen. Eine Möglichkeit sind Werbeschilder, so genannte "Kundenstopper". Schön sind die meistens nicht – und sie behindern die Fußgänger.

Sie versprechen kurze Röcke für fünf Euro, eine Telefon-Flatrate oder bequeme Schuhe: Die Werbe-Aufsteller, die Neusser Händler vor allem am Markt und im Hauptstraßenzug aufstellen, um Kunden zu werben. Und das nicht immer ganz legal: "Eigentlich dürfen die Aufsteller nur in direkter Nähe der Hauswand stehen", erläutert Norbert Jurczyk, stellvertretender Leiter des Amts für Verkehrslenkung.

Dass dies nicht immer eingehalten wird, hat der Neusser Architekt Frank Ende-Styra festgehalten – seine künstlerische Zusammenstellung der bunten Werbeträger (siehe Foto) dokumentiert das hohe Aufkommen der Werbeschilder, das der Hauptausschuss des Rates bereits vor drei Jahren als Behinderung für Fußgänger kritisiert hatte.

"Durchblick behalten"

Seitdem hat sich nur wenig getan. "Jeder Händler versucht, mit allen Mitteln auf sich aufmerksam zu machen", sagt Christoph Napp-Saarbourg, Vorsitzender der Zukunftsinitiative Innenstadt (ZIN). Er wirbt um Verständnis für das Anliegen der City-Geschäfte, das Augenmerk auf sich zu lenken. Die Händlergemeinschaft versuche jedoch, auf die Probleme mit den Werbeschildern hinzuweisen. Seit Anfang des Jahres gibt die Initiative einen Flyer unter dem Motto "Durchblick behalten" heraus – mit dem Hinweis, dass es angesichts vieler Aufsteller schwer sei, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Sprich: Es gibt so viele bunte Tafeln, dass die einzelnen Aufsteller gar nicht mehr wahrgenommen werden – der Werbeeffekt ist dementsprechend gleich null.

ZIN hatte seinen Appell an die Händler vor allem aus dem Grund gerichtet, dass Ordnungsgelder drohen, wenn die Bestimmungen des Amtes für Verkehrslenkung nicht eingehalten werden. "Geldbußen kommen durchaus vor", sagt Norbert Jurczyk. Regelmäßig kontrollieren seine Mitarbeiter die Gehwege in der Innenstadt, insbesondere am Büchel achten sie auf die Standorte der Aufsteller. "Die Verkehrssituation am Hauptstraßenzug erfordert besondere Aufmerksamkeit", erläutert Jurczyk. Denn Fußgänger sollen dort ungestört flanieren können, ohne dass sie auf die Straße ausweichen müssen, wo sie etwa durch den Straßenbahnverkehr gefährdet werden.

Schilderwald reduzieren

In verkehrsberuhigten Zonen, wie etwa am Neusser Markt, gilt für die Wirte die Regel, dass die Aufsteller direkt an der Außengastronomie angrenzen müssen, damit eine freie Gasse für Fußgänger bleibt. Dort habe sich, betont ZIN-Chef Napp-Saarbourg, die Situation bereits etwas gebessert, der Schilderwald wurde reduziert. Was indes als Problem bleibt, ist, dass die meisten Tafeln ästhetischen Ansprüchen kaum genügen. Nur wenige Händler, bemängelt Architekt Frank Ende-Styra, bemühen sich um stimmungsvolle Tafeln, etwa aus Schiefer. Er hat den Schilderwald in einem Blog thematisiert – unter dem Motto "Gestaltungswahn".

(NGZ)