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Neuss: Wer als Napp-Nachfolger gehandelt wird

Neuss : Wer als Napp-Nachfolger gehandelt wird

Die offizielle zehnköpfige Bürgermeister-Findungskommission der CDU/FDP tagt erst im Herbst. Doch die weitaus größere Findungskommission, die Schützenfest-Gemeinde, diskutiert das Bewerber-Tableau schon am Wochenende.

Es ist die Stunde der Elder Statesmen. Bertold Reinartz, bis 1998 letzter ehrenamtlicher Neusser Bürgermeister in einer "Doppelspitze" mit dem Stadtdirektor als Verwaltungschef, empfiehlt für das "sehr einflussreiche Bürgermeister-Amt" eine "charakterfeste Persönlichkeit", die "ihre Machtposition ausschließlich zum Wohl der Stadt einsetzt". Eine langjährige Parteizugehörigkeit sei nicht zwingend: "Ich kann mir als Bürgermeister auch einen erfolgreichen Wirtschaftsmanager vorstellen." Er sollte aber "die Neusser Strukturen kennen". Eine hohe Messlatte legt auch Hermann-Josef Kallen an. Der Ehrenpräsident der Bürgergesellschaft spricht über die "die guten Ergebnisse, die Herbert Napp für Neuss erreicht hat" und wünscht sich in der Nachfolge eine Persönlichkeit, "die dessen erfolgreiche Arbeit fortsetzen kann."

Während bei der SPD wie selbstverständlich alles auf Reiner Breuer, den Landtagswahl-Gewinner vom Vorjahr, zuläuft, sucht das bürgerliche Lager noch den Bewerber für die Napp-Nachfolge. Der Bürgermeister, seit 1998 im Amt, hat erklärt, dass er 2015 nicht mehr zur Verfügung steht. CDU und FDP haben eine zehnköpfige Findungskommission eingerichtet. Die hört demnächst Herbert Napp als Gast. Der dienstälteste Bürgermeister in NRW wird aus seiner Sicht darlegen, welche Talente einen erfolgreichen Rathaus-Chef ausmachen.

Doch die offizielle Findungskommission tagt erst wieder nach der Bundestagswahl im Herbst. Ab heute tagt die viel größere, inoffizielle "Findungskommission", wenn die Neusser Schützenfamilie ihr großes Heimatfest feiert. Die Liste der denkbaren Kandidaten ist lang. Die NGZ stellt eine kleine Auswahl vor.

Martin Flecken (57, CDU), Jurist. Komiteemitglied aus angesehener (kommunalpolitischer) Neusser Familie; kandidiert 2014 erstmals für den Stadtrat. Flecken ist engagiert, kompetent, beliebt; wäre aber als Kandidat ein Seiteneinsteiger.

Jörg Geerlings (40, CDU), Jurist. Der Parteichef ist der starke Mann der Union. Die Landtags-Niederlage tat weh, aber wenn Geerlings sagt "Ich will", dann führt in der K-Frage nur schwerlich ein Weg an ihm vorbei.

Klaus Goder (55, CDU), Arzt. Der MIT-Vorsitzende hat sich bisher als einziger erklärt. Der Kreistagsabgeordnete und Schützenoberst aus Gnadental ist selbstbewusst, kommunikationsstark und unkonventionell. Nur Außenseiterchancen.

Helga Koenemann (59, CDU), Juristin. Als führungsstarke Chefin der CDU-Ratsfraktion ging ihr Stern in weniger als zwölf Monaten auf. Die einzige Frau im aktuell harten Kern der Kandidatenliste. Unterläuft ihr kein grober Schnitzer, ist sie eine Größe, mit der zu rechnen ist.

Thomas Nickel (65, CDU), Versicherungskaufmann. Der Vize-Bürgermeister und Schützenpräsident ist die respektierte bürgerliche Autorität in der Stadt; Favorit auf Listenplatz 1 bei der Ratswahl im Mai. Diskutiert wird sein relativ hohes Alter.

Jürgen Steinmetz (45, CDU), Allgemeiner Vertreter des Landrats. Er hat Verwaltungslehre studiert und bewiesen, dass er es kann. Seine Chancen könnten steigen, da Bijan Djir-Sarai (FDP) in der Findungskommission sitzt, mit dem er im Kreis sehr gut zusammenarbeitet.

(NGZ)