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Rhein-Kreis: Wenn Wasser zur Bedrohung wird

Rhein-Kreis : Wenn Wasser zur Bedrohung wird

Der Rhein prägt die Region und die Menschen haben gelernt, mit dem Unbilden der Natur zu leben, die sich regelmäßig bei Hochwasser zeigen. Schutz bieten die Deiche, die dafür sorgen, dass Anwohner unbeschwert am Wasser leben können.

Für Wilfried Schellen kann der Rheinblick von seinem Balkon aus nicht verbaut werden. Selbst die Ende der 1990er Jahre hochgezogene Schutzmauer schränkt ihn nicht ein. Schellen wohnt in Dormagen-Stürzelberg nur 15 Meter Luftlinie vom Fluss entfernt, und das schon seit 63 Jahren. "Wasser übt immer eine gewisse Anziehungskraft aus und wir genießen den Blick aufs Wasser", erzählt Schellen. "Auch unsere Besucher gehen immer erst einmal ans Fenster und schauen auf den Rhein."

Wilfried Schellen wohnt in in Dormagen- Stürzelberg direkt am Wasser, er engagiert sich in der "IG Deichverbandsgeschädigter" Foto: Hans Jazyk

In den vergangenen Tagen trat der Fluss durch das Hochwasser über seine Ufer, doch jetzt entspannt sich die Lage wieder. Sorgen um sein Hab und Gut machte sich Schellen aber nicht. "Wir haben hier ein natürliches Hochufer und die knapp einen Meter hohe Mauer bietet zusätzlichen Schutz vor Hochwasser", sagt er.

Der Wall wurde allerdings erst errichtet, nachdem 1995 das Hochwasser nur noch sieben Zentimeter unter der Straßenkante lag. "Damals haben wir alle Kelleröffnungen und Löcher mit Brettern zugemacht und versiegelt. Die Feuerwehr legte Sandsäcke vor die Häuser", erinnert sich der Dormagener. Eine bedrohlichere Situation erlebte der 63-Jährige bislang nicht. Das letzte schlimme Hochwasser hat es in Stürzelberg 1926 gegeben.

Fast 50 Kilometer des Rheins grenzen an das Kreisgebiet. Neben Dormagen sind Teile der Stadt Neuss und die Rheingemeinden von Meerbusch immer wieder von Hochwasser betroffen. Für den Bau und die Unterhaltung von Deichen sind vier Deichverbände (Dormagen-Zons, Meerbusch-Lank, Neuss-Uedesheim, Neue Deichschau Heerdt) und der Hochwasserdienst der Stadt Neuss zuständig.

In sogenannten Deichverteidigungsplänen ist festgelegt, welche Maßnahmen die Verbände bei welchen Wasserständen treffen müssen. Bei der Stadt Neuss fällt der Hochwasserschutz in den Bereich von Tiefbauamtsleiter Gerd Eckers. Bei einem Wasserstand von sieben Metern ruft er den Einsatzplan auf. Eine der ersten Maßnahmen ist die Sperrung von Wegen im Deichvorland. Spannend, sagt Eckers, werde es ab einem Pegelstand von 9,80 Meter. Dann ist die Einrichtung eines Zentralbüros für Organisation und Lageberichte vorgesehen.

Die Stadt Neuss überwacht die Bereiche von Grimlinghausen und der Innenstadt. "Im Prinzip könnte auch aus dem Hafenbecken Wasser übertreten. Dann müssten wir zuerst die Batteriestraße sperren", sagt Tiefbauamtsleiter Eckers, der ab einem Pegelstand von 10,50 Meter einen 24-stündigen Deichwachdienst einrichten muss. Dann sind bis zu 170 Personen in den Hochwasserschutz involviert. Das letzte Mal sei dies an Weihnachten 1995 der Fall gewesen, erzählt Eckers.

Die Anlieger am Rheinufer sind trotz der Deiche nicht ganz frei von Gefährdungen, denn bei Hochwasser steigt auch der Grundwasserpegel. Die Häuser am Rhein in Stürzelberg, wo Wilfried Schellen wohnt, wurden ohne Hochwasserwannen gebaut, sodass die Keller durch das steigende Grundwasser feucht werden können. Schellen stört das kaum. "Das macht die tolle Aussicht wieder wett", findet er,

(NGZ/rl)