Verhandlungen zwischen Rathaus und Eigentümern beendet, jetzt entscheidet der Stadtrat Wenn die Stadt Neuss die Galeria-Immobilie kauft

Meinung | Neuss · Schon als die Ladentüren Mitte des Jahres endgültig geschlossen wurden, war klar: Die Stadt würde versuchen, das „Problem Galeria Kaufhof“ möglichst schnell zu lösen und auch selbst als Interessent für die Immobilie auftreten. Stimmt der Stadtrat zu, könnte der Eigentümerwechsel schnell vollzogen werden. Was bedeutet das für die Stadt?

Das frühere Galeria-Kaufhof-Gebäude an der Niederstraße steht leer. Der Stadtrat soll jetzt über den Kauf der Immobilie abstimmen.

Das frühere Galeria-Kaufhof-Gebäude an der Niederstraße steht leer. Der Stadtrat soll jetzt über den Kauf der Immobilie abstimmen.

Foto: Simon Janßen

Dass die Filiale von Galeria Kaufhof in Neuss Mitte des Jahres geschlossen wurde, war für die Mitarbeiter bitter und ist für die umliegenden Geschäfte, die – trotz zuletzt geringerer Kundenfrequenz – mit und von Galeria Kaufhof gelebt haben, ein Problem. Schaut man in diesen Tagen auf das wackelnde Imperium der Signa-Unternehmensgruppe und die Warenhaustochter Galeria Karstadt Kaufhof, wird jedoch schnell klar, dass eine weitere Verlängerung des Galeria-Betriebes in Neuss nicht mehr als ein Sterben auf Raten gewesen wäre.

Rückblickend ist es deshalb gut, dass mit der Galeria-Schließung schon vor Monaten klar war, dass für die zentrale Stelle in der Neusser Innenstadt neu gedacht werden muss. Dass in die Immobilie an der Niederstraße noch einmal ein großes Warenhaus einziehen würde, war von vornherein unrealistisch. Natürlich stimmt es, was Bürgermeister Reiner Breuer gerade noch einmal betont hat: „Die Zeit der großen Warenhäuser ist vorbei.“

Die Warenhäuser mehr oder weniger alten Konzepts tun sich schon in Düsseldorf, Köln und anderen Metropolen schwer, da haben sie in einer Stadt wie Neuss erst recht keine Chance. Was nicht heißen muss, dass die Neusser Innenstadt – bei allen Problemen, siehe Dönerbuden-Hype – unattraktiv ist.

Neuss hat Potenzial, da, wo Einzelhändler neue Ideen haben, Nischen besetzen, einen eigenen, persönlichen Zugang zu ihrer Kundschaft finden, das Besondere anbieten oder mit innovativen Konzepten Shopping mit Event und Freizeit verbinden. Ein auf Monate, vielleicht Jahre leeres oder nur übergangsweise von drittklassigem Handel genutztes Kaufhaus mitten im Hauptstraßenzug hätte solchen Bemühungen massiv geschadet und die Innenstadt ins Mark getroffen.

Dass Bürgermeister Breuer in finanztechnisch nicht leichten Zeiten nach dem Hauptpost-Gebäude am Theodor-Heuss-Platz nun dafür sorgen will, dass die Stadt den Galeria-Kaufhof-Komplex übernimmt, ist deshalb nicht nur mutig, sondern vor allem eine große Chance für die City, auch wenn die Stadt ihre Prioritäten in Sachen Stadtentwicklung  deshalb neu sortieren muss. Was passiert, wenn prägende, zentrale Gebäude leer stehen und womöglich von einem Eigentümer zum nächsten wechseln, ohne dass sie sinnvoll genutzt werden, lässt sich in vielen Städten an Rhein und Ruhr begutachten. Die Wirkung für das Umfeld ist fast immer verheerend.

Dies will offenbar auch die Neusser Gesellschaft für Buchdruckerei als Eigentümerin verhindern und hat die Verhandlungen konstruktiv mit vorangetrieben. Hier zeigt sich, wie wertvoll es ist, wenn Eigentümer im Boot sind, die lokale Kompetenz und Verantwortung mitbringen.

Die Stadt kauft nicht „blind“, betont Breuer. Das Gebäude sei gecheckt, Ideen für eine zukunftsfähige Handelsnutzung in wesentlichen Teilen lägen vor. Wenn das so gelingt: Hut ab vor einer für ein solches Problem schnellen und guten Lösung.

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