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Neuss: Wenn der Mensch zum Tier wird

Neuss : Wenn der Mensch zum Tier wird

Eine ebenso vergnügliche wie spannende Ausstellung in der Alten Post zeigt, wie zwölf Künstler die Beziehungen zwischen Mensch und Tier sehen. Vertreten sind dabei die unterschiedlichsten Kunstarten: Video, Malerei, Fotografie, Radierung und Bildhauerei.

Katharina Mayer erschafft sich per Foto "Meinen King Kong"; Kaisu Koivisto präsentiert einen "Rat Man", Dieter Krüll "Schlangengeziefer" mit Anime-Köpfen. Klaus Sievers becirct mit dem Antlitz einer "kleinen Robbe", das auch ein Kindergesicht sein könnte; bei Christine Gensheim üben Pferde den aufrechten Stand und werden zu "Lonesome Cowboys", die Cola trinken. Thomas Bernstein mutiert zum Erdferkel, dass durch den Wald läuft und vor die Flinte eines Jägers gerät; Jirí Suruvka verwandelt sich in die berühmteste Fledermaus der Geschichte und kämpft sich als Batman durch die Dunstschwaden seiner tschechischen Heimat, die Industriestadt Ostrava, und schiebt als solcher auch schon mal einen Eierwagen durch die Straßen.

"tierisch menschlich" geht es in der neuen Ausstellung der Alten Post zu. Auf vergnügliche, schräge, liebevolle, anrührende, aber auch einschüchternde Weise, denn die Beziehungen zwischen Mensch und Tier sind ein Wechselspiel — manchmal macht sich der Mensch das Tier zu eigen, manchmal ist/ wirkt es umgekehrt.

Schon lange trägt Klaus Richter, an der Alten Post verantwortlich für die bildende Kunst und selbst Künstler, das Thema mit sich herum, aber es brauchte den collagierten Animationsfilm von Norika Nienstedt, der ihn dann auch bewog, das Thema im Rahmen einer von ihm kuratierten Ausstellung anzugehen. Die Darstellungen von Mensch und Tier in einer Figur durchziehen die Kulturgeschichte, sagt Richter und stellt heute fest: "Die Gentechnik gibt dem Thema noch mal einen anderen Schub." Ihm aber geht es nicht um Vision oder gar politische Haltung, sondern vorrangig um Verkleidung — wenn einer sich den anderen anzieht. In Nienstedts Film passiert das wörtlich, denn zwei Tiere brechen in eine Wohnung ein, schlüpfen in die dort herumliegende Kleidung der Menschen — und gehen Schlittenfahren. Was ihnen nicht bekommt, denn am Ende ihrer Fahrt geraten sie auf eine Straße, und auf der fahren Autos ...

Natürlich ist auch dieser Film in der Ausstellung zu sehen, aber den "roten Faden der Verkleidung" hat Richter bei der Auswahl der Künstler und Kunstwerke auch ein bisschen ausfasern lassen — etwa, indem auch er Mischwesen aus Mensch und Tier zuließ. Im Sinne des Wortes phantastisch kommen die mal als Vogelmenschen — in gemalten Collagen von Norika Nienstedt — daher, mal aber auch als bedrückende Alptraumwesen wie bei dem düsteren Gemälde "Wo die wilden Kerle wohnen" von Ruprecht von Kaufmann. Wo Menschen einen Wolfskopf haben.

Zwölf Künstler hat Richter angesprochen — die für die Ausstellung auch extra eine Maske kreiert haben —, und von manchen wusste er, dass sie Kunst zu seinem Thema geschaffen haben. Anderes entdeckte er zufällig. So kannte er die menschlichen Hasen auf den Bildern des Graffiti-Künstlers und Alte-Post-Dozenten Konstantin Zaika, aber weiß erst jetzt um ihre Bedeutung: "Zaika ist russisch und bedeutet übersetzt Häschen."

(NGZ)