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Neuss: Wenn der Hund mit der Mode gehen soll

Neuss : Wenn der Hund mit der Mode gehen soll

Im Salon von Astrid Markus und Irmgard Lampert werden nur die vierbeinigen Kunden verwöhnt – und das mit höchster Professionalität.

Im Salon von Astrid Markus und Irmgard Lampert werden nur die vierbeinigen Kunden verwöhnt — und das mit höchster Professionalität.

Es ist ein Friseursalon der besonderen Art. Die Kunden werden angeleint und für jene, die sich nicht benehmen, gibt es einen Maulkorb. Bedient wird im Stehen. Das hat natürlich seinen Grund: Der Friseursalon von Astrid Markus und Irmgard Lampert ist den vierbeinigen Freunden des Menschen vorbehalten: Den Hunden.

"Hausherr" ist Salonhund Chester, ein schwarz-weißer Mischling, der jeden Kunden freudig schwanzwedelnd begrüßt. Im Hinterzimmer sind sein Frauchen Irmgard Lampert und ihre Kollegin Astrid Markus am Werk: Zwei Hunde wurden von ihren Besitzern abgegeben, damit ihnen eine praktische Kurzhaarfrisur verpasst wird. Für die beiden "Groomer", im Volksmund Tierfriseure, eine leichte Übung. "Die Neusser sind bodenständig", erzählt Lampert. "Die meisten wollen einen Kurzhaarschnitt, damit der Hund pflegeleicht ist." Aber es gibt auch Ausnahmen: "Neulich habe ich einem Riesenschnauzer einen Irokesen geschnitten", erzählt Astrid Markus schmunzelnd.

Während die beiden Frauen die Hunde mit Schere und Rasierer bearbeiten — Chester hält draußen Wache — erzählen die Friseurinnen von ihrem Werdegang und der Entstehung ihres "HundeSaloons", der eine Stammtischidee war. Ursprünglich als Witz einer Nachbarin gemeint, setzte sich die Idee schnell in den Köpfen der beiden Freundinnen fest. "Wirklich ernst hat uns niemand genommen, besonders unsere Partner haben nur gelacht", erinnert sich Lampert. Die beiden Frauen waren von ihrem Vorhaben jedoch überzeugt. "Wir haben nicht lange nachgedacht. Wir waren der Meinung, entweder alles oder nichts", erzählt Lampert.

Das Wissen eigneten sich die Zwei bei anderen "Groomern", bei Praktika und in Schulungen an. Nach dem Beenden der Ausbildung kauften sie ein leerstehendes Ladenlokal im Stadtteil Weckhoven und gaben ihre eigentlichen Berufe auf. Aus der Dolmetscherin und der Einzelhandelskauffrau wurden so zwei Friseurinnen der anderen Art.

Den beiden Tierliebhaberinnen ist wichtig, dass sich ihre tierischen "Kunden" wohlfühlen. Von Zubehör wie dem "Galgen", der dafür sorgt, dass die Tiere sich nicht mehr bewegen können, halten die Beiden nichts. "Die meisten Hunde sind total lieb", erzählt Lampert. Gebissen wurden die Frauen aber auch schon einmal. "Das ist Berufsrisisko", sagt Astrid Markus.

Wichtig sei es, sich immer fortzubilden. "Es gibt rassetypische Schnitte, und immer wenn es neue Rassen gibt, müssen wir uns gut informieren", erzählt Lampert. Nachteile gibt es auch: "Wir haben unterschätzt, wie anstrengend der Job ist", sagt Astrid Markus. Nicht nur, weil es den Tieren, anders als ihren Herrchen, schwer fällt, beim Friseurbesuch zu entspannen. Sondern auch, weil die Kundschaft nicht immer leicht ist — wie der nächste Kunde zeigt: Es ist ein 90 Kilo schwerer Neufundländer. Das Gute daran: "Er ist Stammkunde", sagt Lampert und greift zur Schere.

(NGZ/rl)