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Neuss: Wenn das Herz aus dem Rhythmus gerät

Neuss : Wenn das Herz aus dem Rhythmus gerät

Die Deutsche Herzstiftung hat Herzrhythmusstörungen zum Thema der Herzwochen 2014 gewählt. Längst sind sie zur zur Volkskrankheit geworden. Ein Trost: Es gibt effiziente Behandlungsmöglichkeiten. Experten stellten sie in Neuss vor.

Professor Michael Haude, Chef-Kardiologe des Neusser Lukaskrankenhauses und wissenschaftlicher Leiter der Herzwochen fand deutliche Worte: "Herzrhythmusstörungen kommen häufig vor und sind nicht immer gefährlich. Aber wenn sie gefährlich sind, dann können sie tödlich sein." Damit machte er klar, warum die Deutsche Herzstiftung die Herzrhythmusstörungen zum Thema der bundesweiten Herzwochen 2014 gewählt hat.

Zur Auftaktveranstaltung im Rhein-Kreis waren am Mittwoch rund 300 Zuhörer ins Sparkassen-Forum in der Michaelstraße gekommen. Ruth Wiedner, NGZ-Redakteurin und Moderatorin der Veranstaltung, hatte tröstende Worte parat: "Wenn das Herz nicht richtig taktet, gibt es ein breites Spektrum an effizienten Behandlungsmöglichkeiten." Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist jedoch, dass ein Arzt die Art der Herzrhythmusstörungen diagnostiziert. "Wenn die Gefahr besteht, dass Rhythmusstörungen zu einem plötzlichen Herztod oder Schlaganfall führen, oder sie die Patienten durch Schwindelanfälle belasten, dann wird eine Therapie eingeleitet", erläuterte Dr. Hubertus Degen, Oberarzt am Lukas. Hierfür stehen den Ärzten mehrere Methoden zur Verfügung: "Bei der Diagnose Vorhofflimmern geht es hauptsächlich darum, mit Medikamenten einen Schlaganfall zu verhindern", machte die Kardiologin Dr. Barbara Lüthen deutlich. Drei neue Wirkstoffe stehen zur Hemmung der Blutgerinnung zur Verfügung. Aber nicht immer reicht eine medikamentöse Therapie aus. Wenn Medikamente nicht erfolgreich helfen und die Patienten erheblich unter Vorhofflimmern leiden, kann eine Katheterablation in Frage kommen. Was das ist, erläuterte Dr. Thorsten Becker, leitender Arzt der Elektrophysiologie am Lukas: "Dabei wird ein Katheter ins Herz eingeführt, dessen Spitze wir auf 65 Grad erhitzen. Die Katheterspitze brennt Narben in den Herzmuskel, so dass störende elektrische Impulse nicht mehr weitergeleitet werden können."

Wieder anders sieht es beim Kammerflimmern aus, der gefährlichsten Form der Herzrhythmusstörung. "Dabei schlägt das Herz bis zu 300 Mal pro Minute völlig chaotisch und kann kein Blut mehr in den Organismus pumpen. Diese Situation ist lebensbedrohlich", betonte Dr. Carlos Correia de Freitas, Oberarzt am Lukas. "Der Defibrillator ist das einzig wirksame Verfahren, um den plötzlichen Herztod zu verhindern." Der Defi, der in den Brustkorb implantiert wird, erkennt ein Kammerflimmern und kann den Herzschlag durch elektrische Impulse oder einen Elektroschock wieder normalisieren. Aber auch ein Herz, das viel zu langsam schlägt, verursacht Probleme. Langsame Rhythmusstörungen können zu kurzen Herzstillständen und einer Ohnmacht führen. "Dann ist ein Herzschrittmacher angesagt. Die modernen Geräte haben die Funktion eines Wächters", sagte Dr. Carlos Correia de Freitas. "Sie stoßen das Herz nur an, wenn der eigene Herzschlag zu langsam ist." Eines machte Barbara Lüthen aber auch deutlich: Bewegung, ein gesunder Lebensstil und eine kalium- und magnesiumreiche Ernährung können Herzerkrankungen vorbeugen.

(NGZ)