Weniger Sozialwohnungen in Neuss - Die Linke wartet auf die Trendwende

Wohnen in Neuss : Die Linke wartet auf mehr Sozialwohnungen

Der Bestand an öffentlich geförderten Wohnungen nahm auch 2018 ab. Sperling sieht „Handlungsbedarf“.

Neuss verliert stadtweit 111 Sozialwohnungen in zwölf Monaten. Alle reden von bezahlbarem Wohnraum, der geschaffen werden soll. Doch ehe eingeleitete Anstrengungen messbare Erfolge bringen, ist das Ergebnis zunächst einmal negativ. Am 31. Dezember 2018 waren 6658 öffentlich geförderte Wohnungen gelistet; im Jahr zuvor waren es noch 6769 gewesen. Das geht aus Zahlen hervor, die im Geschäftsbericht von der Gemeinnützigen Wohnungs-Genossenschaft (GWG) Neuss jetzt öffentlich gemacht wurden. Derzeit fallen immer noch mehr Wohnungen aus der Sozialbindung als neue errichtet werden

„Per Saldo gewinnen wir seit Jahren keine Sozialwohnungen“, sagt Roland Sperling (58). Darum drängt der Vorsitzende der Partei Die Linke im Rat der Stadt Neuss darauf, die Quote für öffentlich geförderte Wohnungen bei großen Projekten zu erhöhen: „Wir haben dringenden Handlungsbedarf.“ Heute gilt, bei Maßnahmen ab 40 Einheiten muss jede vierte Wohnung eine Sozialwohnung sein. Sperling: „Wir erwarten, dass die Quotierung auch konsequent durchgesetzt wird.“ So lenkt der Linken-Frontmann den Blick auf das 22-geschossige Wohnhochhaus, das an der Anton-Kux-Straße im Hammfeld geplant ist. Dort will der Investor „Wohnkompanie“ 300 Wohnungen errichten. „Wir benötigen bezahlbaren Wohnraum“, sagt Sperling, „warum sollten wir nicht mit dem Investor sprechen?“

Roland Sperling kündigt eine Klimaschutz-Offensive seiner Partei an. Wer den Klima-Notstand verhindern wolle, müsse alle Ratsbeschlüsse im Vorfeld auf seine Klimarelevanz prüfen lassen. Ziel sei es, bis 2035 eine CO²-neutrale Kommune zu sein mit Null-Emmission in den Gewerbegebieten. Die Klimaschutz-Anträge der Linken würden „verwiesen und vertagt“. Er empfinde das Verhalten des Neusser Ober-Grünen Michael Klinkicht als „albern“, andernorts würden Grüne Anträge stellen, „die in Neuss von Vertretern der selben Partei blockiert werden“. Zudem fordert Sperling im Namen der Linken einen kostenlosen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) für alle.

Bekannt ist, dass Roland Sperling ein Fürsprecher der Kultur ist, die eine „wichtige gesellschaftliche Funktion“ habe. Sie gebe den Menschen auch lokal Orientierungshilfen. Der Kulturetat, der nur 3,5 Prozent des städtischen Haushalts ausmache, dürfe nicht gekürzt werden. Im Gegenteil: „Das Clemens-Sels-Museum braucht einen Erweiterungsbau.“

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