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Neuss: Weniger Karneval beim "Ovend"

Neuss : Weniger Karneval beim "Ovend"

Die BKG der Heimatfreunde will ihrer traditionsreichsten Veranstaltung ein neues Konzept geben. Statt weiter auf das Rezept klassischer Karnevalssitzungen zu bauen, soll ab 2014 der Begriff "Brauchtum" neu definiert werden.

Um den Weg wird noch gerungen, um das Ziel selbst nicht: Der "Nüsser Ovend" alter Prägung ist ein Auslaufmodell. Herbert Goeres, seit Mai stellvertretender Präsident der Brauchtums- und Karnevalsgruppe (BKG) der Heimatfreunde, soll für die älteste und sicher auch traditionsreichste Veranstaltung in der Session ein neues Konzept entwickeln. "Der Ovend soll nicht mehr klassische Karnevalssitzung sein", stellt Goeres fest, der die Abendveranstaltung eher in Richtung einer Neuss-Revue weiterentwickeln will.

"Im Kreis der Karnevalssitzungen in Neuss bekommen wir auf Sicht keinen Stich", analysierte Goeres vor dem Elferrat. An die Budgets, die etwa die Blauen Funken für ihre Veranstaltungen "Kamelle us Kölle" oder Star-Revue bewegen, käme die BKG nicht heran. Zudem mache sich die BKG selbst Konkurrenz, seit sie mit der Volksbank Düsseldorf-Neuss die "Sitzung ohne Namen" präsentiert. Ein Selbstläufer. Was zuletzt nicht mehr so recht lief, war der "Ovend".

Nach Goeres' Vorstellung muss diese Veranstaltung ein Stück weit auf das zurückgeführt werden, was sie am Anfang war: ein Neusser Heimatabend. Auch wenn er den Begriff Heimat vermeiden möchte — schon um nicht mit Heimatabenden verglichen zu werden, wie sie zum Beispiel in Weckhoven und Grimlinghausen veranstaltet werden. "Wir müssen den Nüsser Ovend öffnen für Neusser Brauchtum, Neusser Kunst, Neusser Entertainment", sagt Goeres, der auch Interpreten auf die Bühne bringen möchte, die sich in einer "Nur-Karnevalssitzung" falsch aufgehoben fühlten. "Da erlebe ich Neusser Kultur geballt und gebündelt": Das sollten die Neusser künftig mit dem Ovend verbinden — und auch unbedingt erleben wollen. "An dem Tag, an dem der Vorverkauf beginnt, muss der Saal ausverkauft sein", gibt Goeres als Fernziel aus.

Was bleiben soll, sind der Name, der Termin und ein von Jahr zu Jahr neu gestaltetes Bühnenbild. Nach Westernstädten und Piratenschiffen könnten da aber auch wieder mehr Motive aus dem Stadtbild von Neuss eingearbeitet werden. "Das will alles gut durchdacht sein", sagt Goeres, der von einer Herausforderung spricht. Und davon, dass das alles noch Monate in Anspruch nehmen werde. Der 85. "Nüsser Ovend" 2013 wird noch einmal rein karnevalistisch aufgezogen, 2014 aber soll dann schon einiges anders laufen.

Der Elferrat beschloss aber auch Dinge, die schneller umzusetzen sind. Das Programmheft soll zur Sessionseröffnung und nicht erst zum "Nüsser Ovend" auf den Markt kommen. Und noch schneller will die BKG das werden, was sie noch nie in ihrer langen Geschichte war: ein eingetragener und beim Amtsgericht verzeichneter Verein.

(NGZ/rl)