Neuss: Wenig Raser bei Blitzmarathon

Neuss : Wenig Raser bei Blitzmarathon

Beim landesweiten "Blitz-Marathon" erwischte die Polizei Dienstag etliche Kraftfahrzeugfahrer, die zu schnell unterwegs waren – eine Bilanz gibt es aber erst Mittwoch. An 13 Stellen wurde geblitzt, eine davon: die Preußenstraße.

Beim landesweiten "Blitz-Marathon" erwischte die Polizei Dienstag etliche Kraftfahrzeugfahrer, die zu schnell unterwegs waren — eine Bilanz gibt es aber erst Mittwoch. An 13 Stellen wurde geblitzt, eine davon: die Preußenstraße.

Stefanie Hohmann ärgert sich sichtlich. "Ich hab's eben noch im Radio gehört und dann das", stöhnt die VW-Fahrerin. Sie war gestern die Erste, die es an der Preußenstraße, Ecke Jahnstraße erwischte: Mit 15 km/h zu viel war sie beim "Blitzer-Marathon" gemessen worden, der Teil der landesweiten Kampagne "Brems dich — rette Leben" war. Dabei wurde bis heute, 6 Uhr, an 54 Stellen im Kreis, darunter 13 in Neuss, geblitzt. Die "Zwischenbilanz" zog die Polizei auf Drängen des Innenministeriums gestern bereits um 11.30 Uhr — bis dahin waren 56 Personen im Kreis zu schnell gefahren. Für die erhöhte Geschwindigkeit an der Preußenstraße musste Stefanie Hohmann 25 Euro Strafe zahlen, Silvia Scheiner kam anschließend mit 15 Euro davon — sie war mit 38 km/h in der 30er-Zone gemessen worden. "Ich habe das 30er-Schild nicht gesehen", beteuerte Scheiner. "Ich bin schön brav 40 gefahren. Mir war überhaupt nicht bewusst, dass hier 30 ist."

Dieses Bewusstsein dürfte der "Blitzer-Marathon" zumindest bei ihr an dieser Stelle geschärft haben, ob die Aktion aber nachhaltig wirkt, ist zu bezweifeln. "Wenn ich ehrlich bin: Dadurch ändert sich nichts", meint Hildegard Jürgens. Die 59-Jährige wohnt "seit 100 Jahren" an der Preußenstraße, sagt sie. "Als ich hier zur Schule gegangen bin, war das noch nicht so gefährlich. Da hat meine Mutter rechts und links geguckt, und wenn die Straße frei war, konnte ich rüber laufen. Das geht heute nicht mehr, weil der Verkehr so zugenommen hat", sagt Jürgens.

Diese Beobachtung hat auch Martin Zur gemacht, der ebenfalls an der Preußenstraße wohnt. "Ich bin selber Fahrradfahrer", sagt Jürgens. "Der Verkehr wird immer mehr. Und das bei diesem Nadelöhr da", sagt Zur und deutet auf die Unterführung der Bahn. "Da fährt ein Auto mit 50 km/h in die eine Richtung, aus der anderen kommt auch eins mit 50 und das bei verengten Fahrstreifen. Und wenn dazwischen dann ein Fahrradfahrer oder eine Fußgängerin mit Kinderwagen unterwegs sind, wird es richtig kriminell", sagt Zur.

Für ihn ist eines der Hauptprobleme auf der Preußenstraße, dass "es verschiedene Tempozonen gibt: 50, 30, 50 und wider 30. Fahrer, die sich hier nicht auskennen, verstehen das nicht", sagt Zur, der ergänzt: "Vor allem morgens ist es hier gefährlich, weil es so voll ist. Das ist ein Schulweg. Da fahren ganze Trauben von Schülern lang."

Anwohnerin Jürgens glaubt, dass ein Zebrastreifen die Gefahren minimieren könne und dass die Preußenstraße in eine Einbahnstraße umgewandelt werden solle, so dass der Krankenwagen immer noch zum Lukaskrankenhaus fahren könne.

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