Neuss: Wenig Geld für gute Straßen

Neuss : Wenig Geld für gute Straßen

Experten halten 1,40 Euro je Quadratmeter für den jährlichen Straßenunterhalt für nötig, Neuss wendet im Durchschnitt 27 Cent auf. Trotzdem betont das Tiefbauamt: Die Neusser Straßen sind in Ordnung.

Neuss ist nicht Teil der "Rumpel-Republik" Deutschland, in der Autos und Fahrer gleichermaßen unter Schlaglöchern und Fahrbahnunebenheiten leiden. Obwohl Gerd Eckers, kommissarischer Leiter des Tiefbauamtes, einräumen muss, dass für den Unterhalt der Strecken im Mittelwert der vergangenen zehn Jahre jährlich nur 27 Cent pro Quadratmeter ausgegeben wurden. Insgesamt 1,64 Milionen Euro per anno. "Wir erzielen mit diesem geringen Wert aber gute Erfolge", sagt er.

Der ADAC hatte im vergangenen Jahr erfasst, dass die Kommunen in Deutschland im Schnitt knapp 70 Cent pro Quadratmeter in den Straßenunterhalt investieren. Nach Expertenmeinung, so der Verband, müsste es doppelt so viel sein. Und er zeigte Innovationen auf, wie Straßen kostengünstiger saniert oder mit längerer Lebensdauer hergestellt werden können. Das rief die FDP auf den Plan, die vom Tiefbauamt Auskunft darüber verlangte, ob diese Möglichkeiten dort bekannt sind — und ob von ihnen Gebrauch gemacht wird. Die Antwort aus dem Rathaus legt nach Ansicht von Fraktionschef Heinrich Köppen "nachvollziehbar dar, dass einige Verfahren aus technologischen und logistischen Gründen nicht genutzt werden."

Beispiel: Voll-Recycling. "Auch wir recyclen den Asphalt", stellt Eckers klar, der zwei Gründe gegen ein Voll-Recycling, also die Aufbereitung und den Wiedereinbau an gleicher Stelle vorbringt. Erstens: Das Material muss sortenrein sein — was angesichts von Flickstellen selten der Fall ist. Zweitens ist das Modell erst ab einer anfallenden Menge von 500 Tonnen wirtschaftlich. Bei Deckensanierungen in Neuss würden aber nie mehr als 100 Tonnen anfallen.

Den Einsatz von Nano-Technologie, die Straßen wasserdicht macht und so vor Frostaufbrüchen schützt, wiederum muss in der Tiefe ansetzen. Eckers: "Das ist eher was für Straßenneubauten." Kunststoffe (Polymere) wiederum, die als Zuschlagstoff Asphalt robuster und gleichzeitig flexibler machen, würden hingegen auch in Neusser Straßen verbaut. Ein Problem allerdings hat Eckers auch bei dieser Innovation: "Sie sind oft noch nicht im Langzeitversuch getestet."

Vorrang hat in der Strategie der Stadt, schweren Schäden dadurch vorzubeugen, dass auf intakte Deckschichten geachtet wird. Vier Straßenbegeher seien dazu ständig unterwegs. Zudem wurde in den vergangenen Jahren mit einem Deckenerneuerungsprogramm ein "Sanierungsstau" aufgearbeitet. 2011 ausgelaufen, sind die 13 Vorhaben, die mit knapp 550 000 Euro veranschlagt sind, Teil der "normalen" Unterhaltungsbemühungen.

(NGZ)
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