Welthundetag 2019: Ein Besuch im Tierheim Bettikum in Neuss

Hundeschicksale in Neuss : Lucky & Co. – gestrandet im Tierheim

Am Donnerstag ist Welthundetag, aber manche Vierbeiner haben wenig zu feiern. Plato, Lucky, Boogie und viele andere wurden von ihren Besitzern ausgesetzt. Im Tierheim Bettikum warten sie auf ein neues Zuhause. Ein Ortsbesuch.

Er gilt nicht nur als bester Freund des Menschen, sondern es gibt auch kaum ein anderes Tier, das seit so langer Zeit und so eng mit der Kulturgeschichte des Menschen verbunden ist: der Hund. In Deutschland ist er neben der Katze das beliebteste Haustier. Plato, Lucky und Boogie waren ebenfalls Haustiere – bis die Hunde ins Tierheim Bettikum kamen. Wie viele andere auch. „Zum Großteil sind es Hunde, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr gehalten werden können und schließlich abgegeben werden“, erklärt Monika Provaznik, Leiterin des Tierheims Bettikum. Ein häufiger Grund sei, dass die Hundehalter entweder erkranken oder eine Allergie bekommen.

Aber auch ein Umzug sei eine häufige Ursache, wenn beispielsweise neue Vermieter Tiere nicht dulden. Manche Halter könnten sich die Tiere aber auch einfach nicht mehr leisten. Ein Problem, insbesondere für die Tierheime, sei, dass sich viele Menschen die Tiere aus dem Internet oder in Tierschutzorganisationen wie in einem Katalog aussuchen. „Wenn ein Hund in einer Familie aufgenommen wird, stellt sie auch oft nach kurzer Zeit fest, dass das nicht funktioniert. Und dann kommen die Hunde zu uns“, sagt die 64 Jahre alte Tierheim-Leiterin.

Von den insgesamt 22 Hunden gäbe es rund 17 Hunde, die bereits seit mehreren Jahren im Tierheim Bettikum leben. So auch Plato, ein Labrador-Doggen-Mix, der im Jahr 2013 geboren ist. Schon zum zweiten Mal wurde er von seinen Besitzern abgegeben. Sein Halter, der ihn vor rund drei Jahren vom Tierheim übernahm, musste ihn aus gesundheitlichen Gründen wieder abgeben. „Plato ist sehr freundlich und anhänglich“, sagt Provaznik. Dennoch empfiehlt sie die Vermittlung von Plato nur an hundeerfahrene Menschen, da Plato sich mit anderen Hunden nicht verstehe.

Lucky, ein Chihuahua, geboren im Jahr 2016, wurde ebenfalls abgegeben. Das Kleinkind der Familie, die sich für Lucky entschieden hatte, bekam eine Tierhaarallergie. Anders als bei Plato kommt Lucky mit Artgenossen ganz gut zurecht, solange sie ihn nicht bedrängen. Er sei ein freundliches und anhängliches Hündchen, erklärt Provaznik.

Boogie beispielsweise wurde zwar als Welpe vermittelt, aber kam dann nach rund zwei Jahren wieder zurück ins Tierheim, weil seine Besitzer nicht mehr mit ihm zurechtkamen. Aus diesem Grund weiß Boogie, wie es ist, in einer Familie mit Kindern zu leben. Nur auf fremde Menschen reagiere er etwas negativ, sagt Provaznik. Dennoch wäre er gut als Zweithund geeignet.

Die Schicksale der Vierbeiner sind sehr verschieden. So haben sie auch wenig Grund zur Freude. „Viele Menschen schaffen sich die Hunde zum Beispiel im Internet über Ebay an oder woanders her und wissen viel zu wenig über sie. Schlussendlich landen sie dann wieder bei uns“, sagt Provaznik. In den seltensten Fällen seien die Tierschutzorganisationen in der Lage, diese Tiere erneut unterzubringen. Auch seien oftmals die Pflegeplätze voll.

Die Hunde, die im Netz gekauft wurden, könnten in den meisten Fällen nicht zurückgegeben werden, da die Vermittler sich teilweise schlecht zurückverfolgen ließen. „Wenn wir dann hier Hunde haben, die beißen, eine Allergie haben oder inkontinent sind, ist es für uns sehr schwierig, eine passende Familie zu finden“, sagt sie. Aber für Monika Provaznik ist es der sinnvollste Beruf den sie sich nur vorstellen kann. Seit bereits 23 Jahren ist die Tierarzthelferin nun schon Leiterin im Tierheim Bettikum tätig. „Jeden Tag aufs Neue, weiß ich warum ich das tue und arbeite für die Tiere, statt mit den Tieren“, sagt Monika Provaznik. „Unsere Aufgabe ist es den Tieren unter diesen Bedigungen, die hier herschen, irgendwie so angenehm wie möglich zu gestalten. Und wir helfen nicht nur den Tieren, sondern auch den Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen, die Tiere abgeben müssen“, sagt Monika Provaznik.

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