Neuss: Welt-Musiker aus Neuss

Neuss: Welt-Musiker aus Neuss

Er stand mit den Temptations auf der Bühne und hat in der Harald-Schmidt-Show gespielt. Sein Lieblingsmusiker ist Jimi Hendrix. Der Musiker und Produzent Jürgen Dahmen mag jede Musik, "die mit Herz gespielt wird".

Ein schöner Ort ist es nicht. Der unscheinbare Eingang hat wenig Einladendes, Repräsentatives. Die Umgebung passt zum unkonventionellen Hausherrn, der in der "Villa Blacksheep" arbeitet, aber nicht lebt: Jürgen Dahmen. Neusser, Komponist, Instrumentalist, Produzent, Inhaber eines Musik- und Tonstudios auf einem ehemaligen Tankstellengelände in einem Gewerbeviertel an der Stadtgrenze zu Düsseldorf.

Wenn Jürgen Dahmen, Jahrgang 1956, mittags durch seine Heimatstadt geht, wird er selten erkannt. Dabei ist er ein gefragter Musiker, ein Multitalent und Weltmusiker. Aber darum macht er kein großes Aufheben, er ist freundlich und bescheiden. Ob er in Monaco vor der Fürstenfamilie spielt oder – wie zuletzt – in der Neusser Musikkneipe "Hamtorkrug" vor 50 Leuten: Es ist zweitrangig, denn ihm geht es um die Musik. Die ist seine Leidenschaft, sein Leben. Diesen Weg bestimmte Dahmen "aus dem Bauch heraus", wie er sagt. Das Quirinus-Gymnasium verließ er mit der Mittleren Reife, ein Musikstudium am Robert-Schumann-Konservatorium in Düsseldorf brach er nach zwei Semestern ab. "Das war es einfach nicht. Kein freies Spiel, kein Improvisieren." Als Jugendlicher, der Klavier- und Geigenunterricht nahm, wechselte er die Bands "wie Hemden". Und hörte Musik von seinem "Helden" Jimi Hendrix. Drei Jahre lang fast ausschließlich.

Auch Filmmusik gemacht

Dahmen nahm einen weiteren Anlauf für ein "normales" Leben und absolvierte am Alexius-Krankenhaus eine Ausbildung als Krankenpfleger, arbeitete dort vier Jahre. "Parallel habe ich weiter Musik gemacht." Bei einem Konzert mit seiner damaligen Band im Düsseldorfer Hofgarten entdeckte ihn "Big" Fletchit Campell, Schlagzeuger und Bebop-Größe aus Panama. Er holte ihn in seine Band. "Wir spielten Konzerte zwischen Konstanz und Malmö."

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In dieser Zeit entdeckte er den Jazz, öffnete sich bald afrikanischer, elektronischer, esoterischer Musik. Ein auch in finanzieller Hinsicht großer Glücksfall war sein zehn Jahre dauerndes Engagement als Keyboarder der Helmut-Zerlett-Band in der Helmut-Schmidt-Show. Der Neusser, der sich selbst als Autodidakt bezeichnet und sich viele Instrumente selbst beibrachte, entwickelte viele Aktivitäten in ganz unterschiedlichen Bereichen: Er komponierte unter anderem die Musik für die Fernsehserie "Die Losbergs" (1986) und die Filmmusik zur Serie "Buschkrankenhaus" (1991), bekam Aufträge für die Werbemusiken für C & A, Siemens und E-Plus; Dahmen war mit Georg Danzer ebenso im Studio wie mit Eric Burdon. Bei einer Staffel für die "Pop-Stars" (2007) war er musikalisch ebenso mit im Boot, "aber da ging es weniger um die Musik".

Ein Höhepunkt war das Jahr 2006, als die "Temptations" ("Papa was a Rolling Stone") für ihre Europa-Auftritte einen Keyboarder suchten. "Die fragten ihren Busfahrer, ob der einen wüsste. Der kannte und fragte mich." Vor dem ersten Auftritt in Aachen bekam er einen halben Tag vorher eine DVD mit dem Hinweis, "so spielen wir". Er war mit den Herren jenseits der 60 in Valencia, Istanbul und eben Monaco. Dahmen: "Da war die Hotelzimmer-Rechnung viermal so hoch wie meine Gage."

An wie vielen CDs er beteiligt ist, vermag er kaum zu sagen. Sein eigenes "Kind" ist die von ihm entwickelte Musik fürs Fahrradtraining, "Peak Track. Music for cycling": "Die kann auch ein Nicht-Sportler zum Chillen hören." Festes Bandmitglied ist Jürgen Dahmen zurzeit bei "Nighthawks". In dieser Band ist mit Gitarrist Markus Wienstroer ein zweiter Neusser dabei. Gerade erschienen ist die neueste Nighthawks-CD "Tonight".

(NGZ)
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