Weil Klimageräte fehlen - im Museum Neuss schwitzen Besucher und Bilder

Neuss wartet auf fünf Klimageräte : Im Sels-Museum schwitzen Menschen und Bilder

Kulturpolitiker wollen fünf Klimageräte anschaffen. In der Verwaltung liegt der Vorgang auf Eis: „Prio 3“ bedeutet Warteschleife.

Im Clemens-Sels-Museum leiden Menschen und Kunstwerke unter der Hitze. Abhilfe tut Not, und die Abkühlung scheint einfach. Klimageräte müssen her. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Kulturausschuss einstimmig. Das war im November. Geschehen ist seither offenbar nichts. Und wieder ist Sommer. Und wieder ist es heiß. Und wieder schwitzen Kunstwerke, Besucher und Mitarbeiter. Ein Unding, findet Hartmut Rohmer (SPD), Mitglied im Kulturausschuss.

Im Mai und Juni fasste Rohmer nach. Der frühere Vorsitzende des Kulturausschusses bat die Verwaltung um Prüfung, ob Landesmittel zur Finanzierung beantragt werden könnten. Auf die Antwort wartet er heute noch. Er erfuhr lediglich, dass die beschlossene Beschaffung der Klimageräte beim städtischen Gebäudemanagement Neuss (GMN) in die „Prio 3“ eingeordnet sei. Damit lässt sich der nette, aber hartnäckige Herr Rohmer nicht abspeisen. Über eine Anfrage an die Verwaltung bugsierte er das Thema auf die öffentliche Tagesordnung der jüngsten Kulturausschuss-Sitzung.

Als Ausschuss-Vorsitzender Michael Ziege (SPD) Rohmers Anfrage aufrief, wurde es auf der Verwaltungsbank ungemütlich. Die Situation war Christiane Zangs merklich unangenehm. Sie druckste, kreiste verbal um den heißen Brei. Die Beigeordnete musste dem Kulturausschuss Rede und Antwort stehen, wollte nichts verheimlichen und doch kollegial bleiben. Sie wählte unaufgeregte Worte. Die Kollegen des GMN hätten, wie bekannt, mehr Arbeit als Personal. Da gehe es nun einmal nicht ohne Prioritätenliste. Sie bitte um Verständnis. Aber auch Zangs sah im Sels-Museum nicht tragbare Zustände und versprach, sich persönlich für gangbare, zeitnahe Lösungswege einzusetzen. Damit hatte die Beigeordnete zwar das Problem nicht gelöst, wohl aber die Kulturpolitiker (vorerst) besänftigt.

Seit Jahren nehmen Kommunalpolitiker und Bürger wahr, dass sich das GMN bei vielen Bauprojekten – zum Beispiel Schulsanierungen – als „Flaschenhals“ entpuppt. In die Schlange der Wartenden wurde nun auch das weit über die Stadtgrenzen bekannte Sels-Museum eingereiht. Dort lähmt unerträgliche Hitze und „dicke Luft“ im Sommer den Kunstbetrieb. Eine seiner „wesentlichen Aufgaben“ könne das Museum nicht „unabhängig von den Außentemperaturen erfüllen“, schreibt Rohmer in seiner Anfrage. Wechselausstellungen seien nur im Herbst und im Winter möglich. Daher habe er angeregt, zu prüfen, ob zur Finanzierung Mittel aus dem Fördertopf des Landes für „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ möglich sei. Mangels einer Rückmeldung aus dem Rathaus, hier ein Antwortversuch: Im Prinzip ja, würde Radio Eriwan sagen, wenn das Gebäudemanagement Neuss die Zeit zur Prüfung findet.

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