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Neuss: Weihnachtswünsche auf Papier

Neuss : Weihnachtswünsche auf Papier

Im Feld-Haus, der Dependance des Clemens-Sels-Museum auf der Raketenstation, zeigt eine neue Ausstellung "Weihnachtliche Kinderträume aus Papier". Die Exponate stammen aus den eigenen Beständen.

Sie heißen Minna oder Martha, Frieda oder Toni, sehen irgendwie alle gleich aus, aber haben zu ihren Zeiten vermutlich Tausende von kleinen Mädchen zu entzücktem Kreischen verleitet. Einen Bilderbogen mit Ausschneidefiguren, denen man vielleicht noch ein anderes Kleid oder einen anderen Hut verpassen konnte — das lag vor gut 100 Jahren in vielen Familien unter dem Weihnachtsbaum.

Als Ersatz für eine richtige Puppe, die nur wohlhabende Eltern ihren Töchtern kaufen konnten. Die Kluft zwischen Wunsch und Erfüllung wird zu allen Zeiten schon groß gewesen, aber dennoch: Bilderbogen wie der mit Minna oder Martha symbolisieren heute "Weihnachtliche Kinderträume auf Papier".

Unter diesem Motto hat der Volkskundler und stellvertretende Leiter des Clemen-Sels-Museum, Thomas Ludewig, im Feld-Haus eine feine und sprechende Ausstellung konzipiert, die sich ausschließlich aus eigenen Beständen speist. In der Dependance des Sels-Museums auf der Raketenstation gibt es schließlich mit der Sammlung Irmgard Feldhaus einen wahren Schatz an Populärer Druckgrafik, der mit Exponaten aus dem Haus am Obertor ergänzt wurde.

Die Schau über kindliche Wünsche und deren Erfüllung ist zugleich eine logische Fortsetzung der Erforschung und Darstellung weihnachtlicher Bräuche in Form von Ausstellungen des Neusser Museums, steht aber auch sehr gut für sich.

Vor allem hat sie einen starken Bezug zu Neusser Gepflogenheiten, denn Ludewig hat im Bestand Bastel- und Bilderbogen, aber auch (bildende) Bücher gefunden, für die im Neusser Intelligenzblatt im 19. Jahrhundert in Anzeigen auch geworben wurde. Etwa die schweizerische Familiengeschichte "Claudine", die 1831 erschienen ist und schon ein Jahr später in Neuss als Weihnachtsgeschenk für Mädchen angepreist wurde. Für Jungen gab es technische Bastelbogen und für alle zusammen Würfelspiele auf Papier.

Das Einzige, was Ludewig für diese Schau fehlt, sind authentische Wunschzettel. Zwar gibt es diverse Exemplare der aufwendig verzierten und vorgedruckten Wunschzettel, aber keiner ist ausgefüllt. Nun hofft Ludewig auf Hilfe aus Neusser Familien: "Vielleicht finden sich von den Großeltern oder Urgroßeltern noch Wunschzettel aus deren Kinderzeit." Sie will er vor allem dokumentieren, aber lässt sie sich für das Museum natürlich auch gerne schenken.

Kontakt unter Tel. 02131 904141

(NGZ)